Karl Ulrich Voss,
Burscheid: Meine Leserbriefe im Jahr 2026
Stand: September 2026; grün unterlegt:
lokale/regionale Themen u. Medien
2026/56) 9.9.2026
Frankfurter Allgemeine
Wahl in Sachsen-Anhalt; Berthold Kohlers
Leitglosse „Auch wenn Merz nicht Moses ist“ in der Ausgabe v. 8.9.2026 auf S. 1
Das sehe ich ebenso: Merz ist nicht der heilbringende
Messias, nicht der wasserscheidende Moses, wohl auch nicht der mitreißende
Macher. Vielleicht aber könnte er nun zum einenden Merker reifen. Denn offenkundig
strebt die Republik gerade an allen Ecken und Enden disruptiv auseinander – Ost
gegen West, Wutbürger radial aus der Mitte heraus, unten gegen oben,
Welt-Wandernde gegen Heimat-Haber, KI-Denker gegen ratlose Bildungsbürger.
Aber da wäre doch noch dieses von unseren 1949er
Verfassungs-Eltern fest versprochene, sehr gemeinsam zu stemmende Projekt. Man
müsste es nur aus der Schublade holen, oder unter der Schreibunterlage
hervorziehen, unter die es 1990 geraten war: Das Verfassungsprojekt, der nachhaltige
Ersatz für das Grundgesetz, das ja nur als nothelfendes Oktroy gedacht war. Das
Projekt braucht Bestandsaufnahme in Zeiten nie gesehenen Wandels, es braucht
runde Tische mündiger Bürger. Vor allem aber ermöglicht es das legitimierende
Referendum, das speziell die Amerikaner schon 1949 ganz selbstverständlich
vorausgesetzt hatten. Was sich dann der Parlamentarische Rat aus tiefer Furcht
vor einer Ochlokratie bzw. einer Pöbelherrschaft lieber nicht zutrauen wollte.
Die Chance: Die Bürger bezögen nun ihr eigenes, frisch renoviertes Zuhause.
Und der Reformkurs? Der mag derweil ungebrochen
weitergehen; er kann ohnehin nicht in einer einzelnen Jahreszeit gelingen. Mit
einer fair erarbeiteten aktualisierten Geschäftsgrundlage dieser Republik mag
er dann nur umso akzeptabler glücken.
(2026/55) 8.9.2026
DIE ZEIT, veröffentlicht 10.9.2026 im Internetangebot der ZEIT: https://www.zeit.de/leserbriefe/2026/38
Russland; Anna Sauerbreys Artikel „Ross und Reiter“ in der Ausgabe No. 38 v.
3.9.2026 auf S. 1
Russland war’s also. Das kann man annehmen, wissen tut
man’s nicht. Und „false flag“ mag nur ein Versuch sein, den Konflikt in eine
neue Phase zu lenken; so etwas kostet einen anständigen Dienst nur ein müdes
Lächeln.
Was aber doch auffällt: Wir wissen immer weniger
voneinander – als Touristen, als Geschäftsleute, als Kulturvermittler, wohl
auch als Diplomaten. „Selbst schuld!“ mag man selbstgerecht urteilen – und mag
das Vorrücken westlicher Militaria gen Moskau nach 1989 geflissentlich
ausblenden. Fast ein NATO-Kriegshafen auf der Krim? Warum denn bitte eigentlich
nicht?
Strafwut kennzeichne die Haltung der Deutschen gegenüber
den Russen, so beschrieb es Gabriele Krone-Schmalz in ihrem 2017er Buch
„Eiszeit“. Die Begründung für diese disruptive Haltung hatte schon Sebastian
Haffner in seinem noch immer – oder gerade wieder – höchst aktuellen
„Teufelspakt“ von 1968 beigestellt, mit einem Tolstoi-Zitat: „Wir müssen die
Menschen hassen, denen wir Böses getan haben.“ Etwa nur in Leningrad a.k.a.
St. Petersburg.
(2026/54) 26.8.2026
DIE ZEIT
Klimakrise; Andreas Sentkers Artikel „Brennende Sorge“ in der Ausgabe No. 36 v.
20.8.2026 auf S. 1
Überall und gleichzeitig löschen – und wirksam vorbeugen?
Eine Mammutaufgabe. Die es aber wert sein sollte – angesichts von Tausenden an
Hitzetoten allein in NRW, sicher Zehntausenden in Deutschland, wohl
Hunderttausenden in Europa.
Darin liegt eine Chance versteckt: Dieses Klima übergreift
den gesamten Kontinent und kann Anlass werden für eine vertrauensbildende Initiative
zwischen West und Ost. Für gemeinsame Anstrengungen in Forschung, Wirtschaft
und Politik.
Falls wir eine solche Gelegenheit denn überhaupt ergreifen
wollen. Immerhin: Man kann sich Löschflugzeuge statt Marschflugkörper denken,
Brandschneisen statt Minenfelder, Feuerwehren statt Panzer. Und eine
kooperative Überwachung und Planung mit Daten aus dem Orbit. Wenn
Krisenreaktion einen Sinn macht, dann genau jetzt.
(2026/53) 22.8.2026
Kölner Stadt-Anzeiger, abgedruckt 29.8.2026
Iran-Krieg: afp-Meldung „USA wollen Iran komplett isolieren“ in der Ausgabe v.
21.8.2026 auf S. 1
Männer zwischen 15 und 30 Jahren – man könnte sie den
„Alexander“-Typ nennen – sie galten in den letzten dreihunderttausend Jahren
unangefochten als die gefährlichste Spezies der Galaxis. Aber nun hat sie der
"Donald"-Typ bzw. der maskuline Phänotyp jenseits der 75 offenbar
abgelöst. Ein Land zu attackieren, die Führungsschicht liquidieren zu wollen und
mangels Erfolg dann das Volk mit global erpresster Übermacht auszuhungern?
Befragt, ob die vielen zivilen Opfer eines strangulierenden
Sanktionsregimes gerechtfertigt wären, würde ein Trump nicht etwa hölzern
antworten, so wie eine frühere US-Außenministerin im Falle der US-Sanktionen
gegen den Irak des Saddam Hussein: „We think the price is worth it.“
Nein, ein Trump würde den Reporter direkt auf unbefristeten Urlaub in die
Karibik verfrachten, nach Guantanamo. Und nach Möglichkeit den Papst
gleich dazu.
Quellen etwa:
https://en.wikipedia.org/wiki/Madeleine_Albright
https://fair.org/home/we-think-the-price-is-worth-it/
(2026/52) 20.8.2026
Frankfurter Allgemeine
Nahost-Konflikt; Bericht „Union und SPD kritisieren Minister Ben-Gwir“
(moja./elo.) in der Ausgabe v. 19.8.2026, S. 1
Ja, es ist abstoßend. Und es widerspricht, wie Josef
Schuster für den Zentralrat der Juden zu Recht energisch betont, zentralen
jüdischen Werten: Wenn nämlich der israelische Polizeiminister Ben-Gwir
Palästinenser en gros liquidieren lassen möchte, dreißig bis vierzig pro Nacht,
dabei ausdrücklich auch nicht militante Personen. Wenn er denen pauschal das
Lebensrecht abspricht.
Andererseits: Ist das etwas für unsere Ära so völlig Neues?
Oder nur eine besonders effekthascherische, drastische Gebärde? Vor recht genau
zehn Jahren enthielt das Themenheft „Moderne Kriegführung“ der APuZ-Beilage der
Wochenzeitung „Das Parlament“ bereits die gut belegte Untersuchung „Gezielte
Tötungen. Auf dem Weg zu einer globale Norm?“ Historischer Anlass war das
global breit akzeptierte gezielte Ausschalten des für den 11.9.2001
verantwortlich gemachten Bin Laden. Und der kürzliche, letale Waffeneinsatz
gegen die iranische Führungsebene, der zur Implosion des Gottesstaates hätte
führen sollen: Der mag als nur konsequente Weiterentwicklung gelten. Was auch
unser Kanzler ausdrücklich nicht bedauern wollte.
Von einer völkerrechtlichen Normierung werden wir
gleichwohl sehr, sehr weit entfernt sein. Denn das dazu notwendige rechtliche
Einhegen und die dann zwingende Öffentlichkeit werden sich mit dem
Geschäftsmodell moderner Staats-Assassinen kaum vereinbaren lassen. Immerhin:
Wir haben gerade Gelegenheit, nüchtern den rapide geschrumpften Abstand unseres
„aufgeklärten“ Selbstbildes zu unseren „unrechtsstaatlichen“ Feindbildern zu
detektieren. Diese Annäherung kann im besten Fall sogar Entspannung fördern.
Und dafür müsste man einem schockierend offenen Ben-Gwir fast schon wieder
dankbar sein.
Quelle:
Betcy Jose „Gezielte Tötungen. Auf dem Weg zu einer globalen Norm?“ APuZ
35-36/2016 v. 29.8.2026, S. 33-38 = https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/232970/gezielte-toetungen/
(2026/51) 3.8.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Klimawandel; fortlaufende Berichterstattung über verheerende Waldbrände im
Westen und Süden Europas – pars pro toto: zu „Kapitulation vor dem Feuersturm“
in der Ausgabe v. 28.7.2026, S. 2
Nicht jede Katastrophe birgt eine Chance – aber hier könnte
es genauso sein: Was an Wetteranomalien gerade zum Dauerzustand tendiert, das
ist nicht an Länder und Regionen gebunden. Es betrifft Europa als Ganzes und
kann m.E. höchstens in einer gesamteuropäischen Anstrengung gemildert werden.
Speziell an wie auch immer gesicherten Eisernen Vorhängen machen
Wetterphänomene erfahrungsgemäß keinen Halt.
Die Chance: Wir begreifen die epochale Wucht der
Veränderung und vergleichen zunächst nüchtern die wechselseitigen Traumata – Aufrüstung
und Vorrücken des Westens, Streben des Ostens gen Atlantik – mit den sehr
realen Folgen fortschreitender Erwärmung, zählbar in Zehntausenden von Toten
und Kranken, in verlorenem Ackerland, wohl auch in drohender Migration.
Und wir stellen dann wechselseitig Panzer für
Löschflugzeuge zurück, Drohnen und Geschosse für Quadratmeter Feuerschneise,
Kriegsfähigkeiten für friedliche Vorsorge und Schutz der Biosphäre. Sollten
dann in einem gemeinsamen Programm stark überzeichnete Feindbilder der letzten
zehn Jahre auf beiden Seiten leiden, dann sollte das die beiderseitigen
Zivilgesellschaften nicht stören.
Anm.:
Die im zitierten Artikel beschriebenen Feuerstürme der Art cumulonimbus flammagenitus
und die dadurch ausgelösten autonomen Klimasysteme, die sich jeder Bekämpfung
entziehen, sie sind nicht völlig unbekannt. Es gab sie etwa bereits in Hamburg,
Dresden oder Hiroshima. Und wenn im Westen Frankreichs nun ein Wein- und
Champagner-Jahrgang mit deutlichen „Röstaromen“ befürchtet wird, dann ist auch
das nur eine fast zu vernachlässigende, homöopathisch aufgelöste Erinnerung an
den „Schwarze Regen“ von Hiroshima, der in einem parallelen Phänomen aus
eigentlich heiterem Himmel herabstürzte. Man kann wohl daraus lernen, vom
Krieg für den Frieden.
(2026/50) 30.7.2026
Frankfurter Allgemeine
Klimawandel; zu Niklas Maaks Beitrag „Abschied vom Paradies“ in der Ausgabe v. 29.7.2026,
S. 9 und zu weiteren Berichten zu Waldbränden im Südwesten Europas
Danke für die klare Analyse: "Die Überformung der
Natur durch einen radikalen Rationalismus führt zu den unkontrollierbarsten
Katastrophen." Im Grunde ist der Pyrocumulonimbus oder auch Cumulonimbus
flammagenitus (mein Rechtschreibprogramm zweifelt beides noch verwundert
an) ein älterer Bekannter. Der schwarze Regen in Hiroshima stürzte aus einem
solchen eigenen Wettersystem; vergleichbare Effekte gab es bei anderen
Feuerstürmen des Zweiten Weltkriegs. Ebenso die stoische Erkenntnis, dass
Bekämpfen zwecklos ist und zunächst nur der Rückzug bleibt.
Eine magere Hoffnung immerhin: Wir erkennen diese
unweigerlich immer weiter nach Osten diffundierende neue Wettersymptomatik als
übergreifende, auch nicht in einem nur scheinbar abgeschotteten Europa lösbare
Herausforderung. Wir stellen derzeitige – demgegenüber ohnehin eher kindisch anmutende
– Feindbilder zurück. Wir gehen die Herausforderung Klimawandel in einer neuen
gesamteuropäischen Interessengemeinschaft und mit einem Zeithorizont von
mindestens fünf Jahrzehnten an. Dann wäre es ein Weckruf, den wir gehört und
verstanden hätten. Und es wäre eine vermutlich nicht wiederkehrende Chance der
Zivilgesellschaft.
(2026/49) 22.7.2026
Kölner Stadt-Anzeiger,
Lokalausgabe Leverkusen, abgedruckt 27.7.2026
zu Thomas Kädings Artikel „Heiße Diskussion um Hilgens neue Mitte“, Ausgabe v. 20.7.2026,
S. 23
Da hat der Moderator schon recht: Selbst für Bauvorhaben,
die das Stadtbild nachhaltig prägen, muss Burscheid beileibe keine
Bürgerinformationsveranstaltung organisieren. Die Stadt hat das etwa auch nicht
getan im Falle der sogenannten „Neuen Mitte“ in der Montanusstraße. Oder bei
dem großen Block, der gerade an der Friedrich-Goetze-Straße aufwächst.
Und selbst im Rahmen der sehr erinnerungswürdigen
Bürgerinformationsveranstaltung vom 13.5.2019, der ersten und letzten unter einem
laufenden „Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts Burscheid 2025“, da
hatte ein Architekt eine lebhafte Bürgerdebatte mit den Worten beendet: Es sei
schon eine Unverschämtheit, wenn Bürger zu Themen, die von Experten in den
zuständigen Gremien bereits eingehend erörtert wären, plötzlich eigene
Vorschläge einbrächten. Wohlgemerkt, die Verwaltung widersprach diesem robusten
Ordnungsruf auch nicht. Wohl aber bestätigte der Bund der Steuerzahler später
ausdrücklich: Die von den Bürgern damals kritisierte Rampe mit aussichtsloser
Aussichtsplattform, das sei reine Verschwendung.
Blicken wir nochmal auf die leider so triste Entwicklung an
der Montanusstraße: Hier wäre eine wirksame Bürgerbeteiligung wohl ebenfalls
der bessere und der steuersparende Weg gewesen. Vermutlich hätte sie der
systemintelligenten Kenntnis der Projektentwickler von Düsseldorfer
Förderchancen wirksam eigenes Ortswissen und auch die nüchterne Frage nach
Aufwand und nach der tatsächlichen Burscheider Nachfrage entgegensetzen können.
Diese Fragen stellen sich übrigens verschärft beim nun
geplanten Lidl-Markt: Laut eingeholtem Gutachten käme Burscheid mit dieser
neuen Discounter-Verkaufsfläche auf ein Überangebot von rekordverdächtigen 200%
derjenigen Fläche, die in dieser Republik jedem sonstigen Einwohner zu Gebote
stehen. Die Folge: empfindliche Auswirkungen auf die Konkurrenz, auf die
kommunale Nachbarschaft und auf das Steueraufkommen der Region. Viel hilft
nicht immer viel. Augenmaß ist besser.
Wie kann man es im Verfahren künftig besser machen? Nun,
Burscheid hat doch schon einen neuen Goldstandard der Planung mit
Bürger*innen – das frisch renovierte Kramerhaus: Wenige ortsferne Berater, viel
lokale Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft & Verwaltung und ein sehr
respektables, akzeptanzbildendes Ergebnis: Geht doch! Eine beherzte
Bürgerbeteiligung ist vermutlich eben kein Wagnis, sondern ein zeitgemäßes
Gebot von Fairness und Vernunft.
(2026/48) 2.7.2026
RGA / Bergischer Volksbote,
abgedruckt 4.7.2026
Stadtentwicklung; Nadja Lehmanns Artikel in der Ausgabe v. 30.6.2026, S. 23:
„Burscheid reaktiviert die Balkantrasse“
Den Burscheider Pfropf an der Balkantrasse zu lösen – eine
sehr gute Nachricht und meinen herzlichen Dank an alle, die dazu beigetragen
haben! Eine gute Nachricht für den innerörtlichen ebenso wie für den
überörtlichen Verkehr und für unseren Tourismus.
Hoffentlich kann nun auch schnell eine dauerhafte
Perspektive für die triste Brache an der Montanusstraße gefunden werden: Und
zwar eine von Herzen begrünte Perspektive, so wie man es ja inzwischen ganz
zeitgemäß für die untere Hauptstraße plant.
(2026/47) 28.6.2026
Kölner Stadt-Anzeiger,
Lokalausgabe Leverkusen
Stadtentwicklung; Thomas Kädings Beitrag „Umbau der Burscheider Altstadt hat
keine Mehrheit mehr“ in der Ausgabe v. 27.6.2026, S. 37
Die kritische Position der Ratsmehrheit zum aktuellen Stadtsanierungs-Konzept
ISEK war sehr voraussehbar. Unter dem Vorgänger-Konzept IEHK hatte sich die
Kommune gleich zweifach in Sackgassen manövriert; eine Neuauflage will man
sicher vermeiden.
Erstens: Der anfangs hochgelobte Verkauf der städtischen
Liegenschaft an der Montanusstraße – für ein „Montanus-Center“ oder auch für
eine „Neue Mitte“ – sie hat uns viele stattliche Bäume, einen zentralen
Abschnitt der Balkantrasse und sehr viele Parkplätze gekostet. Der Verkauf hat aber
in mehreren Jahren zu nichts geführt. Und selbst eine Rückabwicklung scheidet
realistischerweise auf Dauer aus. Im IEHK war die Kaufsumme mit 1,6 Mio€
veranschlagt (Stand Dez. 2016, IEHK S. 195); für den Rückerwerb würde die
klamme Kommune einen solchen Betrag heute nicht mehr locker machen können.
Zweite Sackgasse: In der mittleren Hauptstraße gibt
es nun gegenläufigen Radverkehr, mit signifikanter Landesförderung.
Aber die dort sehr auf Kante genähte Lösung hat sich in der Praxis nicht
bewährt, so wenig, dass selbst interessierte Anlieger wie unsere Buchhandlung
die Konstruktion heute in Frage stellen. Man will für die untere Hauptstraße
auch daraus lernen. Aus der verqueren Verkehrslösung zwischen Volksbank und
Deutschem Haus käme Burscheid nur bei Rückzahlung von Fördermitteln und mit
neuen, dann aber nicht subventionsfähigen Investitionen wieder heraus; das
können wir uns nicht leisten.
Die dritte Sackgasse gilt es nun zu vermeiden: Reichen wir den
Erstantrag in der gegenwärtigen Form ohne ein tragfähiges
Parkraumkonzept ein, dann ist der weitere Verlust von ca. 20 Parkplätzen
festgeschrieben. Und zwar ohne dass uns im weiteren Verfahren noch
Gestaltungsmöglichkeiten verbleiben würden, gerade nicht i.R.d.
Fortsetzungsantrages, der für Oktober 2027 geplant ist. Denn bereits der
Erstantrag umfasst nach Erläuterung des Projektentwicklers die kennzeichnenden
Daten für die gesamte Entwicklungsmaßnahme, darunter das Maß der
Entsiegelung, die Zahl der neu einzubauenden Bäume, auch die Zahl und Struktur
der Parkmöglichkeiten. Spätere Änderungen bedeuten dann unweigerlich eine
gekürzte Förderung. Die sich Burscheid erneut nicht leisten können wird. Also:
Das Parkraumkonzept hat unbedingte Priorität; es muss vor dem Einreichen
eines weiteren Förderantrags zumindest in schlüssigen und mehrheitlich
konsentierten Eckpunkten stehen.
Sollte sich die Verwaltung das nicht zutrauen, dann wäre das
Verschieben des Erstantrags um ein weiteres Jahr die deutlich
verantwortungsvollere Lösung und sie wäre auch gar nichts Neues: Tatsächlich
hätte die Altstadt nach dem Zeitplan des IEHK ja bereits i.J. 2020 frisch
erneuert dastehen sollen (siehe Zeit- und Kostenplanung lt. IEHK S. 190). Und
zu Beginn des ISEK-Verfahrens wollte man einen Erstantrag noch im Herbst 2025
einreichen, hatte damit aber administrative Probleme. Dann sollte ein weiteres
Jahr kein Hindernis sein - für einen tragfähigen und aussichtsreichen
Antrag.
Die Städtebauförderung wird ohnehin weiterlaufen;
angesichts der strukturbedingten Finanznot der Kommunen muss sie das auch.
Torschlusspanik wäre uns ein schlechter Ratgeber. Und eine
Planungsruine würde nur sehr wenigen Beteiligten nutzen.
(2026/46) 24.6.2026
RGA / Bergischer Volksbote
Friedhof; Nadja Lehmanns Beitrag „Wandel in der Bestattungskultur. Burscheid
beauftragt Kasseler Büro mit Zukunftskonzept für den Friedhof“ in der Ausgabe
v. 23.6.2026, S. 23
Von Experten fleißig ausgearbeitet hat uns Burscheids
letztes Friedhofskonzept Unsummen gekostet: Für den Entwurf ebenso wie für die
Realisierung – und für den vollständigen Rückbau, der noch nicht
abgeschlossen ist. Der größte Flop seiner Amtszeit sei das gewesen, so sagte
mir einmal der vormalige Bürgermeister Kahrl.
Warum aber gleich wieder auf Experten über Experten setzen?
Und nicht mehr gesunden Bürger*innen-Verstand einbauen, z.B. in einem Bürgerrat?
Das sind doch genau die, die es am ehesten angeht, die auch die Folgen zu
tragen haben werden. Warum nicht mehr Mut für mehr Demokratie und mehr
Akzeptanz?
Nebenbei sei daran erinnert: Auch die „Neue Mitte
Montanusstraße“ war die Kopfgeburt teurer Fachleute. Bekanntermaßen ist sie
noch lange nicht „aan Schmitz‘ Backes vorbij“. Und den Schatten und die Kühlung
des dafür ausgerupften stattlichen Baumbestandes – wir könnten ihn gerade sehr
gut gebrauchen.
(2026/45) 23.6.2026
Kölner Stadt-Anzeiger,
Lokalausgabe Leverkusen
Kommunalfinanzen; zu Niklas Pinners Artikel „Leverkusen und Burscheid rufen um
Hilfe“ und zu seinen Kommentar „Städte nicht hängen lassen“ in der Ausgabe v.
23.6.2026, S. 21
Richtig: Weiter so, das mag ein böses Erwachen geben, auf
allen Ebenen. Aber warum waren die notleidenden Gemeindefinanzen nicht längst
das TOP-Thema, bei den Wahlen auf allen Ebenen? Eine nachhaltige Lösung, etwa das
Lösen der Kommunen von der immer volatileren Gewerbesteuer, die braucht ja auch
die ganz großen Häuptlinge. Ebenso die Frage, für welche Sicherheit wir welches
Geld einsetzen wollen.
Im letzten Wahlkampf war der bei uns allüberall geklebte
Spruch, gleich einem Versprechen: „Gute Verwaltung!“ Mit Verzögerung heißt es
nun deutlich: „Ohne Moos nichts los!" Es könnte, fiskalisch wie
demokratisch betrachtet, schon zu spät sein. Und eigentlich: Hier unten wohnt
das Volk.
(2026/44) 17.6.2026
DIE ZEIT
WM / USA; Titelthema „Was für ein Tor!“ der Ausgabe No. 26 v. 11.6.2026,
speziell zum Beitrag von Lenz Jacobsen und Bernd Ulrich (S. 4: „Unser Spiel,
unser Turnier, unser Pokal“)
Warum schwänzen wir diese ultimativen Spiele nicht einfach?
Jemanden zu finanzieren, der mit un-heimlicher Freude andere Regierungen
entführt, wahlweise liquidiert – das kann doch niemandem Spaß machen, nicht
Weiblein, nicht einmal Männlein.
Und das Vorbild des Toren als Blaupause einer neuen Weltordnung,
als betont disruptiven kategorischen Imperativ? Das braucht wohl auch niemand,
der seine Nachkommen mag. Zumindest mein Pokal kann es so nimmer werden.
(2026/43) 12.6.2026
Kölner Stadt-Anzeiger,
Lokalausgabe Leverkusen, abgedruckt 22.6.2026
Stadtentwicklung / ISEK; zu Thomas Kädings Beitrag „Teures Sonnensegel wirft
Fragen auf“ in der Ausgabe v. 12.6.2026, S. 24
Diskussionsbedarf zur weiteren Stadtentwicklung? Da haben
BfB, SPD und Grüne sehr, sehr recht , konkret wegen des „I“ sowohl im noch
laufenden IEHK als auch im anstehenden ISEK – „I“ wie integriert. Die Planungen
sind ganzheitlich zu realisieren, einander unterhakend, arbeitsteilig. Und
nicht in isolierten Schachteln.
Unter dem IEHK hatte die Kommune den Parkraum an der
Balkantrasse bereits empfindlich um ca. 80 Parkstände reduziert; sie sind noch
nicht ersetzt. In der unteren Hauptstraße, die der Innenstadt derzeit noch
wirksam als Puffer dient, sollen nun erneut ca. 20 Parkstände eingekürzt werden.
Die Mangellage gefährdet aber längst auch Arbeitsplätze – denn wo will man
auswärtigen Bewerbern etwas nachweisen? Und sie führt zu den mehrfach
kritisierten Suchverkehren und zum routinemäßigen Nachstellen von Parkuhren;
angesichts der anhaltenden Mangelsituation mag man das auch als ein modernes
„Fringsen“ einordnen.
Ohne eine tragfähige Aussicht auf Besserung macht kein
Spatenstich seriösen Sinn, nicht auf dem Marktplatz, nicht in der Kirchenkurve.
Nach meinem Eindruck im Rahmen der aktuellen Bürgerbeteiligung sehen das viele
Bürgerinnen und Bürger genauso.
Anm.:
Zur Illustration und Begründung hier noch eine eigene
Auswertung der 16 städtischen Zählungen der realen Parkraumnutzung v.
28.11.2024 bis zum 29.1.2026 = https://vo2s.de/bu_2026_parkraum.pdf . Das zugrundeliegende
Zahlenwerk hatte die Kommune in den StEA v. 19.2.2026 zum TOP Ö5 / „kommunales Parkhaus“
eingebracht, allerdings in extrem kleiner, kaum lesbarer Schrift.
In meiner Excel habe ich ergänzend die beabsichtigte
Reduzierung der Parkstände in der unteren Hauptstraße von „23“ auf künftig
„9“ simuliert (6. Parkzone = „ÖStr 2 unt. H-Str.2“, 2. Tabellenblatt Pp
Str4. "A"; die Werte dieser Parkzone sind hellblau unterlegt). Im
Gegensatz zu der stark vereinfachenden Darstellung der Stadt sind in dieser
Liste auch die prozentualen Belegungsquoten für alle einzelnen Parkzonen
dargestellt, nicht nur in breit saldierter Form = leicht versetzte zweite
Zeile zu den jeweiligen Parkzonen, dabei fett / rot gedruckt alle Werte >
80%; laut Darstellung der Stadt kommen sie praktisch nicht vor.
Wichtiges Beispiel hier naturgemäß:
Bei der Parkzone ÖStr. 2 = untere Hauptstraße, damit wichtiges ISEK-Teilstück
ergäbe sich nach der geplanten Sanierung eine teils massive Überauslastung
dieses heute noch recht komfortabel zu nutzenden Straßenstücks: An acht von
sechzehn Tagen hätte es Werte deutlich über 100% Auslastung, teils sogar einen doppelten
Bedarf gegeben, verglichen mit dem (dann neuen) Parkraum-Angebot. Das erscheint
mir ohne eine belastbare anderweitige Parkraum-Ergänzung als
nicht seriös. Etwa wie der Plan, in ein bereits fahrendes Auto später einmal
Bremsen einbauen zu wollen.
(2026/42) 10.6.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
WM / USA; zu Christian Löers Beitrag „Das Turnier im Trump-Land“ in der Ausgabe
v. 8.6. (S. 3)
Wie genau lautete unsere Etikette zur Teilnahme an großen
Sport-Turnieren? Richtig: Man bleibt in Ehren daheim, wenn der Burgherr gerade
einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg entfesselt hat, mit mehreren hundert
zivilen Toten und Schäden in Milliardenhöhe. Und wenn er zu Beginn des Krieges
auch noch ganz gezielt und bewusst bedrohlich die Führungsschicht des Gegners
liquidiert hat, frei nach Art der Assassinen.
Aber: Der Burgherr könnte ja böse werden, blieben wir dem
Turnier fern, wir wären quasi „absent without leave“. Dann haben wir
doch lieber gemeinsam viel Spaß. In einer ganz neuen, nicht sehr humanistischen
Welt.
(2026/41) 3.6.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
zum Beitrag „Der Welt drohen neue Extremwetter“ von Karsten Brandt, Christiane
Oelrich und Simone Humml in der Ausgabe v. 3.6.2026 auf S. 2
Der jüngste El-Niño mag Europa nicht unmittelbar betreffen
– allerdings haben wir unser sehr eigenes Phänomen, und zwar eine seit Jahren überdurchschnittliche
Erwärmung des Nordatlantiks. Sie beschränkt sich auch nicht mehr auf die oberen
Wasserschichten und sie macht das Meer als Wärmepuffer immer unwirksamer; dies
dürfte auch die jüngsten Hochhitze-Ereignisse an der französischen Atlantikküste
mitgeprägt haben.
Wir müssen uns nun sehr ernsthaft Gedanken machen: Werden
wir bevorzugt mit Anpassungs-Strategien auskommen, mit "Adaptation"?
Oder müssen wir nun nicht doch merklich mehr in Reduzierung, Verzicht oder
"Mitigation" investieren?
In jedem Fall wird der bewohnbare Teil der Welt schrumpfen
und der Wanderungsdruck wird dynamisch wachsen. Dies ist eine Krise von ganz
anderem Härtegrad als bei den Krisen, über die wir uns in letzter Zeit
den Kopf zerbrechen.
(2026/40) 31.5.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Außen- und Sicherheitspolitik; zu Michael Kohlers nachhaltiger Betrachtung von
Sebastian Haffners neu aufgelegtem „Teufelspakt“ in der Ausgabe v. 27.5.2026
(S. 20: „Auch Teufel können legitime Gründe haben“)
Über Sebastian Haffner zurück in die Zukunft? Das macht für
mich sehr viel Sinn – ebenso, unsere Motivlage und ihre Wirkung auf den
Ukraine-Krieg nüchtern bzw. realpolitisch einzuordnen: Unser unmittelbar nach
dem russischen Angriff offen kommuniziertes Kriegsziel war, Russland nun bis
weit unter die Schwelle weiterer Kriegsfähigkeit zu schwächen. Was folgte, war
ein Abnutzungskrieg in der Form eines Stellvertreterkrieges: Der Westen – und
dabei zuvörderst die Bundesrepublik – lieferte Waffen wachsenden Kalibers nach
dem Motto „Hannemann, geh‘ Du voran!“, ohne jedes Risiko für eigenes
Militär respektive für eigene Wähler, aber mit blutigen Konsequenzen für West-
wie Ost-Ukrainer, für Russen und ihre Söldner. Sie zahlen, wir profitieren, in
der Sicherheit der Etappe. Heldenhaft ist es nicht.
Und ich stimme Michael Kohler völlig zu und würde mit
normalem Einfühlungsvermögen Russland zugutehalten: Seit 1989 hatte der Westen seine
strategische Position und Sicherheitszone entscheidend ausgebaut;
zwischenzeitlich schien sogar ein NATO-Hafen auf der Krim greifbar nahe. Kurz:
eine Lage, die dem Kuba-Konflikt verzweifelt ähnelte, nur mit
umgekehrten Vorzeichen.
Das alles sowie nicht zuletzt unser ganz realpolitisches
Interesse an einem sehr großen Land und Markt könnte Grundlage eigener
Initiativen für eine friedliche und nützliche Koexistenz sein. Für eine Lösung,
die auch die von uns häufig ausgeblendeten ethnischen Konflikte aufgreift und
zu lösen versucht, etwa nach dem Vorbild Südtirols. Gegen einen Kontinent, den
eine blutige Linie teilt und wie eine Sackgasse abschließt.
P.S.
Die o.g. Einschätzung stimmt im Wesentlichen mit Tim Marshalls gut begründeter
Analyse "Die Macht der Geographie" a.d.J. 2015 überein, siehe in der
deutschen dtv-Ausgabe v. 2017 etwa S. 7, 19ff
(2026/39) 29.5.2026
Frankfurter Allgemeine
Patriotismus; zu Reinhard Müllers Leitglosse „Es fehlt nicht Vielfalt, sondern Patriotismus“
in der Ausgabe v. 27.5.2026
Ganz richtig: Bei Vielfalt und Farben müssen wir keinen
Vergleich scheuen, nicht genetisch, nicht historisch. Sie sind Resultat auch
einer sehr erfolgreichen Anwerbung, sind Ergebnis einer schwindsüchtigen
Entwicklung des Nahen und Mittleren Ostens, auch im Gefolge eigener
militärischer Exkursionen mit begrenztem Wirkungsgrad. Und nicht zuletzt sind
wir attraktiv, weil wir relativ schön sind.
Aber sollten oder müssen wir heute an einem Patriotismus-Defizit
arbeiten? Sicher mag es naheliegen, öfter daran zu erinnern: Süß und ehrenhaft
ist, für dein Vaterland oder dein Heimatland zu geben. Gleichwohl führt patria
als Bezugsrahmen m.E. leicht in die Irre. Für uns Deutsche ist es nicht mal
sprachlich definiert – zumindest würden sich viele Muttersprachler erbittert
dagegen wehren. Und die deutlich stärkeren Impulse für unsere Politikgestaltung
stammen heute aus Interessen-Resonanzen und aus durchgehenden Schichten, die
quer zu den Kartengrenzen gewachsen sind. Einmal abgesehen davon, dass die zu
Recht geforderte Resilienz gegen die Strategien der heutigen Big Player im
kleinstaatlichen Zuschnitt fruchtlos erscheint. Dass dabei höchstens ein
volatiler Vasallenstatus winkt. Nicht Vaterland, nur befristetes Schutzgebiet.
Wenn patriotisch, dann wohl Regel-patriotisch, den
Verfassungs-Patriotismus weiter aufgebohrt. Ein Ansatz unter mehreren denkbaren
wäre etwa, mit Gleichgesinnten „decapitating“-Strategien und die rapide Erosion
des Völkerrechts zu ächten, gezielt in Multilateralismus und Dialog zu
investieren. Einfach, weil ein wortlos hingenommener neuer Standard auch uns
selbst bedroht, völlig unabhängig von Farbe und Vielfalt.
(2026/38) 25.5.2026
RGA / Volksbote,
abgedruckt 28.5.2026
Mehr Demokratie wagen; zu Nadja Lehmanns Artikel „Bürgerrat: Sind Sie
enttäuscht, Frau Hilbert?“ in der Lokalausgabe Burscheid v. 23.5.2026 auf S. 23,
gleichzeitig zu Lothar Leuschens Beitrag „Ein Dompteur im Zirkus Politik“ in
der nämlichen Ausgabe auf S. 11
Zwei Ansichten derselben Medaille: Ute Hilbert, Burscheider
Mitglied des Bundes-Bürgerrats „Ernährung“ sieht zwar Spuren ihrer intensiven
Gruppenarbeit, aber doch eher wenige. Und der Autor David Nelles empfiehlt nun
gerade basisdemokratische Verfahren gegen Politik- Frust und
Politik-Stillstand. Was nun tun?
Fragt man unsere Politiker etwa nach dem Schweizer Modell bzw.
nach Volksabstimmungen, so verspotten sie die Eidgenossen gerne als
„Turnhallen-Demokraten“. Immerhin: Die Schweizer durften z.B. mehrfach
persönlich über ihre Armee abstimmen, mit Folgen auch für deren Etat. Das geht?
Das geht. Und es schafft sehr praktische politische Bildung, fortlaufend
ausgeübt, gleichzeitig ein breit verteiltes Verständnis für Sach- und
Verfahrensfragen. Von dem wir hier bisher nur träumen können.
Vielleicht fangen wir mit den Übungen ganz bodennah an. Und
trainieren die aufschlussreiche Technik der Bürgergutachten am bürgernahen
Planen unserer Zentren in Burscheid und in Hilgen. Mit so wenigen
"Experten" wie möglich.
Quelle etwa:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_f%C3%BCr_eine_Schweiz_ohne_Armee
(2026/37) 22.5.2026
Kölner Stadt-Anzeiger,
Lokalausgabe Leverkusen
Stadtentwicklung; zu Thomas Kädings Artikel „Lidl-Nachbarn überziehen Bürgermeister
mit einer Aufsichtsbeschwerde“ in der Lokal-Ausgabe Leverkusen v. 20.5.2026 auf
S. 24
Bei all' den Malessen für die Nachbarn des geplanten
Discounters in Hilgen wäre es doch tröstlich, hätte das Projekt zumindest ein
paar volkswirtschaftliche Vorteile. Genau daran muss man aber sehr zweifeln:
Die Auswirkungsanalyse gemäß § 11 der Baunutzungsverordnung mit Datum v.
15.5.2025 stellt hier völlig zu Recht mehrfach ausdrücklich heraus: Burscheid
ist mit Verkaufsflächen für Nahrungs- und Genussmittel bereits deutlich
überausgestattet. Und speziell durch Discounter wird Burscheid
nochmals mehr über Durst versorgt. Bis Unterkante Oberlippe.
Richtig, in einem neuen Markt im Zentrum von Hilgen könnten
dann mehr Menschen fußläufig einkaufen. Aber von den Fußgängern mit einer Tüte
Milch, zwei Brötchen und einem Salat in der Tasche oder Tüte lebt kein
Discounter; die sind höchstens schmächtiger Beifang. Die Ketten wollen Kofferräume
füllen und ganze Landstriche erobern. Ohnehin: Mangels Fußläufigkeit müssten
wir mehr als die Hälfte unserer SB-Märkte, die ja gerade wegen ihres
Flächenbedarfs und wegen sonst störender Interaktionen mit umgebender
Wohnbebauung standardmäßig an der Peripherie siedeln, in die Zentren
katapultieren. Wo sie teilweise herkommen. Offenbar keine sehr gute Idee!
Wegen der Überversorgung sagt die Auswirkungsanalyse dann
auch eine deutliche Anspannung des bereits heftigen lokalen Wettbewerbs voraus:
Die Neuansiedlung werde zu empfindlichen Umsatzrückgängen bei existenten
Versorgern führen, insbesondere für den systemähnlichen Aldi im Stadtteil
Dünweg und für den Netto jenseits der Stadtgrenze in Tente – incl. Risiko der
Geschäftsaufgabe.
Warum aber plant Lidl in ein bekanntes Überangebot hinein?
Dazu weiß die Analyse, ich zitiere wörtlich von der S. 25 des Gutachtens: „Die
Fa. Lidl betreibt – wie schon in den vergangenen Jahren – eine kontinuierliche,
deutlich auf Flächenerweiterungen angelegte Expansionspolitik.“ Lidl ist der
Hecht im Karpfenteich; Lidl lässt sich die Expansion auch etwas kosten – was
Gewinne schmälert und Gewerbesteuern einspart. Die Frage ist dann: Sollte sich
Burscheid wirklich als Schlachtfeld der Discounter profilieren und mit dem
Kannibalisieren der innerörtlichen und der kommunalen Nachbarschaft?
Quelle:
Stadt+Handel, Dortmund: Gutachten 05/2025 v. 15.5.2025
„Auswirkungsanalyse für die geplante Ansiedlung eines LIDL-Marktes in
Burscheid, Kölner Straße, gem. § 11 Abs. 3 BauNVO, S. 13, 15,
22, 25, 26, 27, 31, 33, 34, 37 = Anlage 10 zur
Sitzung des Burscheider Stadtentwicklungsausschusses v. 24.6.2025, siehe https://sessionnet.owl-it.de/burscheid/bi/si0057.asp?__ksinr=1741.
Noch eine Anmerkung: Das Integrierte Entwicklungs- und
Handlungskonzept Burscheid 2025 begründet auf S. 156 das Ansiedeln des Einkaufszentrums
an der Montanusstraße speziell damit: Burscheid müsse „Kaufkraft in die Stadt
zurückholen“. Das war schon nach damaligen Daten von Stadt+Handel definitiv
falsch und war reine Propaganda, vielleicht, um das Gewissen der Ratsmitglieder
zu beruhigen. Denn bereits 2016 hatte Burscheid einen signifikant hohen
Zentralitäts-Kennwert, d.h.: Burscheid flossen Kaufkraftpotenziale von außerhalb
der Stadt zu (unverändert lt. aktuellem Gutachten, S. 15). Aber: „Ab heute
wird zurückgeschossen!“ ist natürlich ein höchst probater Impuls. Der hier
wohl auch prompt verfangen hat.
Link zum IEHK, Textfassung Stand Dez. 2016 siehe https://www.burscheid.de/bauen-wirtschaft/stadtentwicklung/#
(2026/36) 20.5.2026
Kölner Stadt-Anzeiger,
Lokalausgabe Leverkusen
Stadtentwicklung; Thomas Kädings Beitrag „Mehr Rücksicht auf der Balkantrasse“
in der Lokalausgabe Leverkusen v. 19.5.2026 auf S. 24
Mehr Licht auf der Balkantrasse? Sehr richtig! Tatsächlich
fordert genau das schon unser Interkommunales Integriertes Entwicklungs- und
Handlungskonzept Burscheid | Wermelskirchen (IKIEHK 2030) vom Januar 2019 – zur
Attraktivitätssteigerung, aber ausdrücklich auch für mehr Sicherheit. Dieser
gute Rat war recht teuer und man sollte ihn nicht achtlos in die Tonne treten;
Beleuchtung und Sicherheit sind zudem zentrale Aspekte auch der
Barrierefreiheit.
Vielleicht hat man im Burscheider Rat früher mal gemeint, das
könne man sich doch sparen. Heute aber dürfen wir uns sicher am erstem Kanzler
dieser Republik orientieren; den konnte bekanntlich nichts und niemand daran
hindern, alle Tage klüger zu werden.
Und wenn wir gerade von Sicherheit sprechen: Auch
Hinweisschilder an den sehr steilen Burscheider Balkantrassen-Rampen wären
höchst angebracht: An der Jahnstraßen-Rampe, wo wir im Juni 2021 schon den
ersten Verkehrstoten auf unserem Trassen-Abschnitt beklagen mussten. Und besonders
an der nochmals steileren, mit 8% auch bei Weitem nicht mehr barrierefreien
Rampe an der Hauptstraßen-Brücke.
Quellen:
Interkommunales Integriertes Entwicklungs- und
Handlungskonzept Burscheid | Wermelskirchen Stand Jan. 2019 (IKIEHK 2030)
https://www.burscheid.de/bauen-wirtschaft/stadtentwicklung/, dort unter IKEHK
downzuloaden; Auszüge:
(S. 92) Mit dem Anspruch einer nachhaltigen Mobilität der Zukunft
in der Region Burscheid | Wermelskirchen ist es notwendig, den „Panorama-Radweg
Balkantrasse“ als regionales Radverkehrsband auszubauen und zu qualifizieren,
um den steigenden Zahlen an RadfahrerInnen und ihren Ansprüchen gerecht zu
werden. Die Ansprüche umfassen eine ausreichende Trassenbreite, die Verknüpfung
der Trasse mit anderen Verkehrsarten -mitteln, attraktive touristische
kulturelle gastronomische Ziele, eine Beleuchtung, eine klare, einheitliche
Beschilderung, eine bessere Anbindung an die Stadtzentren und Ortsteile sowie
die Verknüpfung mit den „Perlen“-Zielen in der Region (s. Kapitel „Perlen
entlang der Balkantrasse“).
(S. 94) Die Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt, um
das Fahrrad zu nutzen und als Teil einer Mobilitätsinfrastruktur zu verstehen.
Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu steigern, muss diese gerade für den
Alltagsradverkehr gewährleistet sein. Aus diesem Grund soll eine ergänzende Beleuchtung
an der Trasse und in ihrem Umfeld, auch im Hinblick auf ihre
Wirtschaftlichkeit, geprüft werden.
(S. 95) Als mögliche Maßnahmen sind grundsätzlich auch intelligente
Beleuchtungssysteme im Außenbereich denkbar, die sich nur dann einschalten,
wenn das betreffende Teilstück genutzt wird
(S. 130) B.4 Optimierung des Beleuchtungs- und
Beschilderungskonzepts: 2024-2025 (!!!)
Skaterunfall am 27.6.2021 auf der Rampe von/zur
Jahnstraßen-Brücke
P.S.
Selbstverständlich hätte sich beim Verfassen des IKEHK 2030 niemand im
Entferntesten vorstellen können: Dass diese für die Kooperation zwischen
Burscheid und Wermelskirchen besonders hoch eingeschätzte Infrastruktur auf mehrere
Jahre derart unterbrochen / mit Katarakten versehen bleibt, wie dies inzwischen
wg. "Neuer Mitte" praktiziert wird.
(2026/35) 19.5.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Zivilschutz; Titelthema „Milliarden für Schutz im Kriegsfall“ und Markus
Deckers Kommentar „Zeit, sich zu wappnen“ (Ausgabe v. 19.5.2026, S. 1 u. 4)
Aber-Milliarden für die Kriegsfähigkeit und dann weitere
Milliarden für den Schutz im Krieg? Weil Geheimdienste notorisch raunen, Russland
könne schon bald wieder so richtig kriegsfähig sein? Für seinen Durchmarsch zum
Atlantik?
Vielleicht wenden wir mehr Intelligenz und Ressourcen dem
völlig realen Feind zu, der letzthin direkt vor unseren Augen Hunderte von
wirklichen Menschenleben gekostet hat: Den selbstgemachten Klima-Extremen. Dazu
allerdings ist in den letzten Jahren wieder große Sorglosigkeit eingekehrt.
Wohl, weil man einen 360-Grad-Gegner „Umwelt“ so schlecht ins Bild bekommt.
P.S.:
Als Geheimschutzbeauftragter war ich über viele Jahre auch für Zivilschutz
zuständig, kenne die Dienststelle Marienthal und insbesondere auch den
Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall (https://www.ausweichsitz-nrw.de/). Letzterer ist noch
deutlich besser erhalten als Marienthal, praktisch im Zustand des Verlassens
bzw. „Einmottens“. Jedem, der sich für die Thematik interessiert, kann ich
einen Besuch sehr intensiv ans Herz legen: Bestimmt für das Lenken
flüchtender Teile der Zivilbevölkerung nach einem nuklearen Angriff,
Durchhaltezeit der Einheit von maximal vier Wochen, leider höchst leicht
detektierbar am heißen Abgasstrom seiner (noch) funktionsfähigen
Notstromaggregate. Ich bezweifle sehr, ob eine "moderne" Planung auch
und gerade beim Einsatz von einigen Milliarden € einen höheren Wirkungsgrad
garantieren würde, eher wohl die bloße Anmutung von Resilienz.
(2026/34) 17.5.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Iran-Krieg; Aufmacher der Ausgabe v. 16.5.2026 „Merz drängt Iran zu
Verhandlungen“ (S. 1; Quellen: dpa, afp)
Um vermittelnd zu wirken, trifft der Kanzler zumindest für
mich fortwährend den völlig falschen Ton. Etwa vor Kurzem: Die iranische
Staatsführung demütige das amerikanische Volk! Subtext: „Wann bitte greifst Du
da endlich richtig durch?“ Und nun: Iran müsse sofort an den Verhandlungstisch!
Das ist etwa so, als würde man auf ein Unfallopfer einhämmern: „Nun stellen Sie
sich doch nicht so an – der Verursacher macht sicher einen guten Deal mit
Ihnen!“
Meine Botschaft an den
Verursacher wäre: „Du hast einen souveränen Staat gewaltsam angegriffen, dabei
planvoll und völlig offen versucht, die Führungsebene zu liquidieren, hast
völlig voraussehbar gewaltige Schäden an Menschen, Infrastruktur und Vermögen
bewirkt. Ich will definitiv nicht, dass dies der neue Standard des Völkerrechts
wird. Denn das gefährdet uns alle. Sieh‘ zu, dass Du die Schäden unverzüglich
ersetzt – im Iran und dann auch bei uns. Danach sprechen wir weiter.“ Das mag
nun auch nicht ausgesucht diplomatisch klingen. Aber es ist exakt die Frequenz,
auf der Donald Trump sendet und empfängt.
(2026/33) 15.5.2026
Kölner Stadt-Anzeiger,
abgedruckt 26.5.2026
Umweltschutz; Thomas Kädings Beitrag „Blühwiese am Megafon radikal abgemäht“ in
der Lokal-Ausgabe Leverkusen v. 15.5.2026 auf S. 24
Für unsere Biotope würde etwas Qualitätssicherung sicher Wunder
wirken, z.B. durch das schöne Schild für Blühsäume: Hier in Kuckenberg hat
genau das ein früher in kurzen Abständen übliches Mähen bis auf oder unter die
Grasnarbe wirksam verhindert. Danke dafür!
Die rasierte Fläche am Megafon hat eine schon recht
abwechslungsreiche Geschichte. Vor Jahren war sie meines Wissens mal für
denjenigen schimmernden Trimm-Parcours eingeplant, der dann plötzlich an der
Trasse weiter stadteinwärts, direkt hinter den Balkonen der neuen Wohnbebauung materialisierte.
Und zeitweise waren dort auch mal öffentlich geförderte Wildblumen-Flächen
parzelliert – die dann aber wieder untergepflügt wurden. Was es eigentlich
bräuchte: Ein integriertes Burscheider Umwelt- und Klimakonzept, das solche
wertvollen Orte ganzheitlich und längerfristig beplanen und sichern könnte,
unter dem aufmerksamen Engagement vieler Burscheiderinnen und Burscheider jeden
Alters.
(2026/32) 6.5.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Leitbilder von Donald Trump; Benno Schwinghammers Beitrag „Trumps Maßstab sind
Caesar und Napoleon“ in der Ausgabe v. 6.5.2026 auf S. 5
Trump-Idole: Caesar? Napoleon? Klammheimlich vielleicht gar
Hitler? Mit dem schon das erste „America-First“-Movement in den Zwanzigern und
Dreißigern völlig offen sympathisiert hatte? Mitsamt ihrem grob antisemitischen
Star Henry Ford?
Das muss nicht sein. Von seinen herostratisch disruptiven
Impulsen können und sollten wir Trump mit einem anderen großen Kaliber der Geschichte
sanft ablenken. Und mit der fast unerschöpflichen Kraft der Freude. Dies dann
sogar failproof, völlig unverfälschbar durch spätere missgünstige
Geschichtsschreiber: Dschingis Khan gilt nach belastbaren gentechnologischen
Befunden als Vorfahr von mehr als 10% der fernasiatischen Mannschaft. Seinen
Fußabdruck im kollektiven Genpool hatte er – wie auch andere Khane – sehr
strategisch ausgebaut, auch zum Festigen der jeweiligen Herrschaft. Das wäre
doch eine sehr erfreuliche und hoffentlich gewaltfreie Perspektive und ein
hübsches Motiv für Triumphbögen.
Zu Dschingis gäbe es zudem gut eingeführtes Liedgut, dass
sich nach Trumps Geschmack hervorragend covern lassen müsste.
Quellen etwa:
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_internationale_Jude; https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Hanfstaengl; https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Lindbergh
https://www.welt.de/geschichte/article157995653/Mongolisches-Reich-Warum-Dschingis-Khan-16-Millionen-Nachkommen-hat.html; https://de.wikipedia.org/wiki/Giocangga
https://de.wikipedia.org/wiki/Herostratos (für: sich durch
bewusste Gewaltanwendung, Zerstörung bzw. Tabubruch dauerhaft in die Geschichte
schreiben)
Zum Liedgut („Dschingis Khan“, u.a.: sieben Kinder in einer Nacht): https://www.youtube.com/watch?v=1AXlVZRpweI
Anm.:
Ein uns etwas näherer Mensch mit beachtlichem Fortpflanzungserfolg war Carl Eugen Herzog von Württemberg; er ließ in seiner
Karlsschule (auch „Pflanzschule“) viele Nachkommen heranbilden und galt
zeitweise sogar als potenzieller Vater Schillers – was heute allerdings
gentechnologisch widerlegt ist.
(2026/31) 5.5.2026
RGA / Volksbote
Stadtentwicklung; Bericht von Sabine Naber im Burscheider Volksboten v.
4.5.2026, S. 21 (“Hier ist richtig was los“. Warum gerade das 28. Familien- und
Umweltfest so besonders war)
Das ist ein richtig gutes Projekt – von Macher*innen für
noch mehr Macher*innen, mitten im Herzen Burscheids. Meinen bewundernden
Glückwunsch und so viel Nutzung und Nachahmung wie möglich!
P.S.
Bei mir persönlich setzt unser 28. Familien- und Umweltfest noch etwas mehr
frei:
Das 21. Fest i.J. 2019 ist mir noch sehr gut
in Erinnerung; es hat mich in der Folge stark beschäftigt. Oder: aktiviert,
wachgerufen. Die leider verstorbene Grande Dame der Burscheider Kommunalpolitik,
Grete Klippert, und ich hatten damals beherzt und kontrovers mit dem leider
ebenfalls verstorbenen Bürgermeister Caplan über das „Integrierte Entwicklungs-
und Handlungsprogramm / IEHK Burscheid 2025“ diskutiert. Wir
hinterfragten dabei die damals gerade im Volksboten erstmals detailliert
beschriebene Rampe & Aussichtsplattform an der Hauptstraßenbrücke. Den
Bürgermeister aber ärgerte das vernehmlich. Ausdrücklich: doof fände er das,
da wir Zivilisten die Einzelheiten des Planungsprozesses ja gar nicht
mitbekommen hätten.
Nur wenige Tage später, am 13.5.2019, hat es dann die
dritte und zugleich letzte Bürgerinformationsveranstaltung zum IEHK gegeben
(die nächste betraf dann schon das nun geplante Nachfolgeprogramm „ISEK
Burscheid 2030“, sozusagen den „Besenwagen“ des IEHK). Auch diese Veranstaltung
am 13.5. hatte dann u.a. Rampe & Skywalk zum Thema. Wieder kontroverse
Debatte anderer Bürger, sie hatten funktionalere Alternativen im Kopf. Und
genau das beendete dann ein darob sehr genervter Architekt kurzerhand und sehr
schroff mit der Caplan-ähnlichen Feststellung: Es sei eine (wörtlich) Unverschämtheit,
wenn die Bürger Planungen in Frage stellten, die die Experten in den
zuständigen Gremien doch bereits ausführlich behandelt und entschieden hätten.
Dann: Schweigen im Saale; nota bene auch kein Widerspruch der
Stadtspitze.
Genau das hat mich bzw. mein Interesse für eben
diese Planungsprozesse geweckt. Meine erste Folgerung war ein Bericht über die
Bürgerversammlung i.J. 2019 = https://uliswahlblog.blogspot.com/2019/05/burscheid-spange-statt-skywalk-und-rampe.html. Und wie ging’s
weiter? Der Bund der Steuerzahler hat Rampe / Skywalk in seinem 2023er
Schwarzbuch der Steuerverschwendung als abschreckendes Beispiel für fehlgeleitete
Planungsprozesse beschrieben https://www.schwarzbuch.de/aufgedeckt/steuergeldverschwendung-alle-faelle/details/teurer-koeder-fuer-radtouristen. Und Burscheid hat den
Skywalk zunächst zurückgestellt, dann geräuschlos gestrichen. Die Rampe
allerdings hatte man in der Zwischenzeit flugs noch aufgehäuft, für
ca. 600 T€, übrigens in einer Phase, als wirklich relevante
Verkehrsverbindungen (die in der Jahrhundertflut unterbrochenen Straßen nach
Dürscheid und Blasberg) noch einige Monate auf Wiederherstellung warten
mussten. Tja: Der Verwaltung Wege sind nicht immer leicht nachzugehen😉
Daher sehe ich bottom-up-Initiativen mit signifikanter,
nachverfolgbarer Bürger*innen-Beteiligung wie zum Kramer-Haus tatsächlich als
großen Glücksfall an. Und als einen Akzeptanz-begründenden Weg, der bei unserer
Stadtentwicklung unbedingt noch verbreitert werden muss.
(2026/30) 4.5.2026
Kölner Stadt-Anzeiger,
abgedruckt 9.5.2026
Kommunalpolitik (Regelwerk / Finanzen); Interview von Lena Heising mit dem
früheren Wuppertaler Oberbürgermeister Uwe Schneidewind der Ausgabe v.
4.5.2026, S. 6 („Politik ist ein Zehnkampf“) der nachfolgende Leserbrief:
Auch und gerade als Jurist gebe ich Uwe Schneidewind Recht:
Komplexe, einander sperrende, schwer zu handhabende Rechtsgrundlagen sind ein
immer stärker frustrierendes Problem. Dies nicht nur wegen etwaiger Hemmung bis
hin zum Abort nützlicher kommunaler Aktivitäten. Sondern auch: Weil es selbst
in der Verwaltung schwer und schwerer fällt, das Regelgerüst zu übersehen und
pragmatisch zu bedienen. Umso schwerer fällt das den gewählten Räten und
nochmals schwerer den normalsterblichen Bürger*innen.
Weswegen Schwärme von systemintelligenten Consultants die
Kommunen umschwirren und die kommunale Selbstverwaltung teilweise oder auch
einmal ganz ersetzen. Zumal, wenn es um die heute praktisch unverzichtbare Programm-
und Projektförderung aus Landestöpfen geht. Und dann sind wir bei einem
weiteren Punkt des Leidens und bei einem für mich unlösbaren Rätsel:
Ratlosigkeit, Personalnot und Projektentwickler, damit fast alles dieser
Malaise lässt sich problemlos auf die chronische Unterfinanzierung der Kommunen
zurückführen. Und hat die Gemeindefinanzierung in einer der letzten Wahlen
irgendeine bemerkbare Rolle gespielt? Sei es auf Bundesebene und bei Landtagswahlen?
Oder gar an der oft beschworenen demokratischen Basis, in den Kommunen?
Fehlanzeige, konsequente Funkstille; leider dann auch ein Risiko für
Zufriedenheit und die innere Sicherheit.
(2026/29) 29.4.2026
Chrismon
Iran-Krieg; Streitgespräch zwischen der Aktivistin Emilia Roig und dem Reporter
Artur Weigandt, moderiert von Verena Mauss und Konstantin Sacher (Ausgabe
05/2026, S. 18ff),
Kriege führen sich viel leichter und länger, wenn man sie elegant
vom Volke löst. Die USA haben das in Vietnam gelernt, die Deutschen im robusten
Auslandseinsatz nach 1993. Drum bleibe ich als Kriegsgegner entschiedener
Advokat einer allgemeinen Wehrpflicht – für das dämpfende Rückkoppeln zwischen
Plan, Ausführung und Schmerz.
P.S.:
Wer möchte, kann eine ethische Forderung nach dem möglichst
verlustfreien Koppeln von Entscheidung und dem dadurch verursachten Leid
bei Immanuel Kant begründet finden, in seiner Streitschrift „Zum ewigen
Frieden“ / ZeF. Dort beschreibt Kant als völlig selbstverständlich: Diejenigen,
die die Lasten des Krieges zu tragen haben („die Staatsbürger“), sollten selbst
auch über den Krieg entscheiden. Und er lobt, noch etwas drastischer, an einer
weiteren Stelle mit einem Augenzwinkern den Kampf der Häuptlinge, bei
dem dann Plan, Ausführung und Schmerz tatsächlich ungedämpft und prohibitiv in
einer Person zusammenfallen; zwei Zitate:
„Wenn (wie es in dieser Verfassung nicht anders sein kann),
die Beistimmung der Staatsbürger dazu erfordert wird, ob Krieg sein solle oder
nicht, so ist nichts natürlicher, als daß, da sie alle Drangsale des Krieges
über sich selbst beschließen müssten (als da sind …) sie sich sehr bedenken
werden, ein so schlimmes Spiel anzufangen. Dagegen (ist) in einer Verfassung,
wo der Untertan nicht Staatsbürger … (ist), es die unbedenklichste Sache von
der Welt, weil das Staatsoberhaupt nicht Staatsgenosse, sondern
Staatseigentümer ist, … diesen (Krieg) wie eine Art von Lustpartie aus
unbedeutenden Ursachen zu beschließen und der Anständigkeit wegen dem dazu
allzeit fertigen diplomatischen Korps die Rechtfertigung desselben gleichgültig
überlassen kann.“ (ZeF, Zweiter Abschn. / Erster Definitivartikel, in der
Reclam-Ausgabe mit Text der 2. Auflage v. 1796 = Reclam- Universalbibliothek
Nr. 1501: S. 12f)
„So gab ein bulgarischer Fürst dem griechischen Kaiser, der
gutmütigerweise seinen Streit mit ihm durch einen Zweikampf ausmachen wollte,
zur Antwort: ‚Ein Schmied, der der Zangen hat, wird das glühende Eisen aus den
Kohlen nicht mit seinen Händen herauslangen.‘ “ (ZeF aaO, Fußnote im Zweiten
Abschn. / Zweiten Definitivartikel: S. 17u.)
Weitere Anm.: Es verwundert nicht, dass i.R. der
out-of-area-Einsätze überproportional viele Bürger aus Regionen mit besonders
hoher Arbeitslosigkeit zum Einsatz kamen, speziell aus strukturschwachen
Regionen in den Neuen Bundesländern, siehe etwa https://www.vo2s.de/mi_selekt.htm. Wenn die Bundeswehr
dazu, wie es offenbar auch heute wieder unverzichtbar ist, mit attraktiven
Einkommens- und Qualifikations-Angeboten wirbt, so hat dies m.E. den strengen
Geruch der Verleitung zur Prostitution. Oder es erinnert an die im 19. Jahrhundert
während der Konskriptionen für europäische Kriege übliche Praxis: Begüterte
Familien konnten zum Schutz des höchsteigenen Nachwuchses sog. „Ersatzmänner“
oder „Replacanten“ einkaufen und als Stellvertreter stellen. Insoweit sehe ich
die Position der Grünen und von Teilen der SPD, die zwar Kriegführung und
Rüstung überzeugt mittragen, aber die eigene Gefolgschaft wirksam
abschirmen wollen, als widersprüchlicher an als die insgesamt stärker
gewaltkritische Einstellung der LINKEN.
Letzte Anm., verbunden mit einer weiterführenden Bitte:
I.J. 1994 suchte ich als ehemaliger Wehrpflichtiger meinen lokalen Pfarrer auf
und wir diskutierten kontrovers den damaligen Auslandseinsatz in Somalia. Es
war eine der ersten out-of-area-Missionen. Wenn man so will, dann auch einer
der ersten Bundeswehreinsätze „mit scharfem Schuss“ nach 1945; und tatsächlich
führte UNOSOM II auch gleich den ersten collateral damage bzw.
das erste zivile Opfer herbei, das amtlich dokumentiert ist, siehe bei
Interesse https://dserver.bundestag.de/btd/12/069/1206989.pdf . Mein Pfarrer, der
auch Berufserfahrung als Militärseelsorger hatte, griff dann gut gerüstet
hinter sich in ein beeindruckendes Bücherregal. Er präsentierte mir einen sehr
repräsentativ aufgemachten großformatigen Katechismus, schlug die Zehn Gebote
auf und richtete den Zeigefinger ein wenig triumphierend auf das Tötungsverbot.
Ich guckte wohl zunächst arg irritiert und er zeigte noch auf ein von mir
unerwartetes Sternchen mit einer zugehörigen Fußnote am Ende der Seite: „Gilt
nicht im Kriege!“. Tatsächlich war dieser Katechismus während des Ersten
Weltkriegs im Fronteinsatz gewesen, sollte dort wohl stark zweifelnden Seelen
wieder zurück auf den rechten Weg helfen. Ob dieser 1994er Erfahrung war und
bin ich über den amtlichen christlichen Auftrag zu Militärfragen
allerdings nachhaltig verunsichert.
Meine o.g. Bitte hierzu: Ich habe in den letzten Jahren vergeblich
versucht, dieses oder ein entsprechendes Buch wieder aufzufinden. Vielleicht
besitzt Chrismon besser investigative Zugänge und könnte mir eine Kopie aus dem
Werk und/oder die zugehörigen bibliografischen Daten zukommen lassen. Für Ihre
Bemühungen schon herzlichen Dank!
(2026/28) 20.4.2026
RGA / Volksbote
Stadtentwicklung; Interview von Nadla Lehmann mit Linus Klenter zu Fragen der
Innenstadt-Entwicklung („Wie kann die Hauptstraße auch zukünftig für die
Burscheider attraktiv sein“, Lokal-Ausgabe Burscheid v. 17.4.2026, S. 21)
Haben die angesprochenen Bürgerbeteiligungs-Formate – zum ersten
Entwicklungsprogramm IEHK und nun zur Ergänzung in einem ISEK – diejenige Basis
geschaffen, die für die erwünschte Attraktivität der Hauptstraße zwingend ist?
Sehr zweifelhaft: Zu den „Bürgerinformationsveranstaltungen“ des IEHK findet
sich schon heute keinerlei Information mehr; niemand könnte guten Gewissens
sagen, dortiger Input hätte die folgenden Planungen auch nur marginal
mitgestaltet. Selbst nun zum ISEK ist einfach nicht nachvollziehbar: Was von
den Gesprächen beim Bürgerworkshop im Dezember ist denn in den „Plan A“
eingegangen, der nun von der Verwaltung favorisiert wird, bzw. was widerspräche
dem „Plan B“? Wäre noch ein „Plan C“ denkbar?
Ganz sicher: Es gab Bürgerbeteiligung. Aber die Stadt hat
dort soweit erkennbar gerade das Nötigste getan und das Mögliche gelassen:
Selbst der Bund hat in der vergangenen Periode einen Bürgerrat erprobt und NRW
hat sich genau das gerade zum Ziel gesetzt. Umso mehr müsste ein solches
bürgernahes Format auf der Ebene einer Kommune hilfreich sein, vielleicht
zunächst testweise mit einem begrenzten Planungsauftrag zur Kirchenkurve.
Denn dass der IEHK-Prozess in seiner eher kühlen,
Bürger-fernen Machart gut funktioniert hätte, das behauptet derzeit wohl
niemand. Schon die Notwendigkeit eines ISEK – es ist praktisch der Besenwagen
des IEHK – zeigt es auch deutlich.
(2025/27) 15.4.2026
DIE ZEIT, veröffentlicht im Internet-Angebot der ZEIT = https://www.zeit.de/leserbriefe/2026/16
Titelthema NSDAP-Familienhistorien in der Ausgabe No. 16 v. 9.4.2026, etwa zum
Beitrag „Die Lügen, die jetzt auffliegen“ von Armin Jäger (S. 29)
Genau: Ein jeder Eintritt hat die Machtbasis der NSDAP
verstärkt, damit auch den von ihr organisierten Völkermord und weitere
Kriegsverbrechen wie die Million Hungertote von Leningrad. Aber es gibt
einzelne Karteikarten, die wiegen im Vergleich tonnenschwer, wie die des Dr. phil. Ernst (Franz Sedgwick) Hanfstaengl, „eingetreten am
1.11.1931“.
Man darf dieses Datum als Fake werten und Hanfstaengl hätte
sich statt seiner No. 668027 eine maximal vierstellige Parteinummer
verdient gehabt. Denn er hatte der Partei bereits ab 1922 die Tore zur
deutschen und US-amerikanischen Oberschicht und zu märchenhaften Geldtöpfen
geöffnet. Ohne dies, auch ohne solche Vorbilder, wären Hunderttausende späterer
Beitritte schwer denkbar, dito womöglich die „Machtübernahme“ zu Beginn 1933.
Mark Twain würde in der Causa Hanfstaengl heute einen
garstigen Reim der Geschichte sehen: Es waren Figuren wie Henry Ford – übrigens
Kunde der piekfeinen Kunsthandlung der Hanfstaengls in New York und seinerseits
bekennender Antisemit –, es war der
Atlantikflieger Charles Lindbergh mit Familien in beiden
Ländern und es waren weitere prominente Mitglieder der damaligen Amerika-First-Bewegung, die in den Zwanzigern
und Dreißigern mit den stürmischen deutschen Rechtsextremen sympathisierten,
und nicht etwa klammheimlich. Man könnte und sollte den Blick gerade heute
wieder darauf richten.
Weitere Quellen etwa:
https://en.wikipedia.org/wiki/Truman_Smith_(officer)
https:
//www.owu.edu/alumni-family-friends/owu-magazine/fall-2018/history-doesnt-repeat-itself-but-it-often-rhymes/
P.S.
Zu meinem Hintergrund: Mein Großvater befuhr als Schiffsarzt bis 1913 mehrfach
auf dem Schnelldampfer „Kronprinzessin Cecilie“ die Nordamerika-Linie, diente
im 1. u. 2. Weltkrieg als Lazarettarzt. Nach Versailles sah er – stammend aus
einer erklärt deutschnationalen, antiklerikalen u. antibolschewistischen
Familie, dann auch Korpsstudent – in der NSDAP die eine Gruppierung, die „das
Ansehen Deutschlands“ tatkräftig wiederherstellen könnte; er starb kurz nach
dem Krieg. Im Wohnzimmer meiner Großmutter hing noch über Jahrzehnte ein
stattliches Ölbild, das ihn in einer mit Hakenkreuz versehenen Uniform beim
konzentrierten Schachspiel zeigte. Daher befasse ich mich bereits seit geraumer
Zeit mit der (Familien-) NS-Historie – dabei auch mit den Umständen, die diese
Bewegung sehr früh für bildungs- und besitzbürgerliche Schichten attraktiv
machte. Auch die bereits anfängliche und strategisch wichtige
"US-connection" wird dazu wirksam beigetragen haben, sie ist
allerdings nur sehr wenigen Zeitgenossen geläufig. Heute gibt es m.E. wieder
einige Umstände und Personen, die an diese prägende Phase vor 100 Jahren
erinnern.
(2026/26
) 10.4.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Iran-Krieg; zu Christian Fahrenbachs Kommentar „Es ist eine Schande“ und zum
Bericht „Leo XIV. gibt als Anti-Trump seine Zurückhaltung auf“ von Joachim
Frank und Dominik Straub in der Ausgabe v. 9.4.2026 (S. 4, S. 2)
Henry Kissinger wird ein Stoßseufzer während des sehr
blutigen Golfkrieges der Achtziger zwischen Irak und Iran zugeschrieben: „A
pity both sides can’t lose“. Will man ein wenig zynisch sein, dann wendet man
diese kühle Lesart von Geopolitik nun auf zwei aktuelle Warlords an, die sich
in der gleichen Region engagiert und teils festgefahren haben.
Und man empfiehlt unserem nach wie vor zu sprachlosen
Kanzler den amtierenden Pontifex als Benchmark für ein tatsächlich
wertebasiertes Bündnis.
Quelle für das Kissinger-Zitat etwa:
https://en.wikipedia.org/wiki/United_States_support_for_Iraq_during_the_Iran%E2%80%93Iraq_War;
Anm.: Das Zitat wird in verschiedenen Formen wiedergegeben,
jeweils ohne konkret beschriebenen Kontext (Zeit/Ort). Kissinger selbst
hat es m.E. weder bestätigt noch dementiert. Ich denke, er hat es selbst so
auch nie geäußert, hat es aber als korrekte Wiedergabe seiner
realpolitisch kühlen, betont interessebezogenen Sicht von Geopolitik
interpretiert.
(2026/25) 29.3.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Iran-Krieg; zu Eva Quadbecks Leitartikel "Die Welt in Geiselhaft" in
der Ausgabe v. 27.3.2026, S. 4
Zur Völkerrechtswidrigkeit des Iran-Krieges zitiert der
Leitartikel die deutliche Ansage des Bundespräsidenten auf dem Festakt "75
Jahre Auswärtiges Amt" am 24.3.2026, stimmt ihr auch ausdrücklich zu.
Unmittelbar darauf aber hebt der Artikel ein mögliches Kriegsziel als
"berechtigt" und sogar "notwendig" heraus: Dem Iran den Bau
einer Atombombe aus der Hand zu schlagen. Was nun?
Die öffentlich grassierende Verwirrung mindert das m.E. ebenso
wenig wie die übergreifende Feststellung aus Überschrift und Resümee des
Kommentars – für ihren "Schurkenstaat" nähmen die Mullahs
nun die Welt in Geiselhaft. Noch vor wenigen Jahren und in anderen
Zusammenhängen hätten wir ganz unzweifelhaft auch die erklärte Strategie,
systematisch und radikal die Führungsschicht eines anderen Landes zu
liquidieren, gleichzeitig ungezählte zivile Opfer und Milliardenschäden in Kauf
zu nehmen, als klaren Beweis von "Schurkerei" identifiziert.
Tatsächlich erscheint mir das taktische Ausnutzen ökonomischer Abhängigkeiten
da sogar als das kleinere und defensivere Übel.
Täter und Opfer geraten hier zu leicht durcheinander. Und
auch: Dass der Westen bei dem Putsch gegen den gewählten iranischen Präsidenten
Mossadegh und durch einschneidende Boykotte eine nicht wegzudenkende Ursache
für den Iran in seiner heutigen theokratischen Erscheinungsform gesetzt hat, so
wie ein nachhaltig unbelehrbarer Zauberlehrling.
P.S.:
Aus der Rede v. BPräs. Frank-Walter Steinmeier im AA am
24.3.2026 (https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2026/03/260324-75-Jahre-AA.html) scheint mir eine
Feststellung sehr nüchtern und als Grundlage der weiteren Politikentwicklung
wichtig zu sein: „Der Westen bleibt, darauf beharre ich, ein wertvolles
normatives Ideal. Aber der Westen als politische Realität existiert derzeit
nicht.“
Wir sehen derzeit – ich denke, da sind wir schnell einig –
eine historisch beispiellose Konzentration von Machtmitteln in den USA,
gleichzeitig erkennen wir aber keine dementsprechende Verpflichtung auf
Humanismus, auf Gemeinnnutzen, auf die „golden rule“, auf einen kategorischen
Imperativ oder überhaupt auf ein auch nur kurzfristig verlässliches oder gar
einklagbares Regelwerk. Allerdings: Vor die Herausforderung einer Emanzipation
gestellt, wird Deutschland ebenso zum Beharren und Verharren in lange
angestammten Gewohnheiten und Weltbildern neigen, wie wir das aus zu vielen
anderen, auch technologischen bzw. ökonomischen Zusammenhängen schmerzlich
kennen. Schnell sind wir selten.
(2026/24) 26.03.2026
Süddeutsche
Iran-Krieg; zu Sina-Maria Schweikles Kommentar „Endlich Klartext“ in der
Ausgabe v. 26.3.2026, S. 4
Danke für den Kommentar „Endlich Klartext“ – zur offenen
Ansprache des Bundespräsidenten auf dem Festakt des Auswärtigen Amts. Das
Völkerrecht braucht, wenn es schon keine eigene Instanz für das Durchsetzen
hat, zumindest ein klares Ja-Ja und Nein-Nein, einen
kategorischen Imperativ. Keine elaborierten Gutachten, die ad hoc und
rücksichtsvoll parteinehmend versuchen, alle kameradschaftlichen Dilemmata
aufzulösen. Und ja: Zu einem unmissverständlichen abstrakten Regelwerk können
und müssen sich gerade kleine wie mittlere Mächte sehr vernehmlich bekennen.
Von Steinmeiers Rede bin ich ebenso positiv überrascht wie
von einer unerwartet fulminanten Positionierung eines Amtsvorgängers – Horst
Köhler. Als dieser auf der Kommandeurtagung am 10. Oktober 2005 der Politik ins
Gebetbuch geschrieben hatte: Sie müsse die damals noch hochaktuellen
out-of-area-Missionen der Bundeswehr in einer breiten gesellschaftlichen
Debatte absichern. Leider hatte die Politik damals geflissentlich
weggehört und jene i.J. 2005 noch primäre Form der auswärtigen Gewalt gilt
heute als überwiegend gescheitert, trotz milliardenschwerer Investitionen und
tausendfacher ziviler Opferzahlen. Ich hoffe, Steinmeier findet nun mehr
Resonanz – gesellschaftlich, auch juristisch. Und Demokratie, Diplomatie
und Humanismus können wieder Tritt fassen.
P.S.:
Kant bemerkt in seinem "Ewigen Frieden" am Ende des Zweiten
Abschnitts recht nüchtern: "Dass Könige philosophieren oder Philosophen
Könige würden, ist nicht zu erwarten, aber auch nicht zu wünschen: weil
der Besitz der Gewalt das freie Urteil der Vernunft unvermeidlich verdirbt."
Ganz offenbar ist ein deutscher Präsident einer exekutiven Systemintelligenz
aber weniger verpflichtet oder ausgesetzt als ein deutscher Kanzler. Gut so,
finde ich.
Quellen etwa:
Rede v. BPräs. Frank-Walter Steinmeier im AA am 24.3.2026
https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2026/03/260324-75-Jahre-AA.html
Matthäus 5, 38
https://www.bibleserver.com/de/verse/Matth%C3%A4us5,37
Rede von BPräs. Horst Köhler auf der Kommandeurtagung der
Bundeswehr am 10.10.2005
Ausriss aus den Abschnitten VIII. und IX.:
https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Horst-Koehler/Reden/2005/10/20051010_Rede.html
VIII.
… Wenn die Deutschen so wenig vom Ernst des Lebens wissen, auf den die neue
Bundeswehr eine Antwort ist, dann werden sie nur schwer einschätzen können,
welchen Schutz die neue Sicherheitspolitik verspricht, welche Gefahren sie möglicherweise
mit sich bringt, ob der Nutzen die Kosten wert ist und welche politischen
Alternativen Deutschland und die Deutschen bei alledem eigentlich haben. Das
müssen sie aber einschätzen können, damit sie die nötige demokratische
Kontrolle ausüben können, damit sie innerlich gewappnet sind für die kommenden
Herausforderungen und damit sie den Dienst ihrer Mitbürger in Uniform zu
schätzen wissen und aus Überzeugung hinter ihnen stehen.
Darum wünsche ich mir eine breite gesellschaftliche
Debatte - nicht über die Bundeswehr, sondern über die Außen-, Sicherheits-
und Verteidigungspolitik unseres Landes.
IX
Diese Debatte braucht klare Analysen, welche deutschen Interessen es zu
schützen und zu fördern gilt, vor welchen Herausforderungen und Bedrohungen wir
dabei stehen, auf welche Ressourcen wir zählen können, wie wir vorgehen und
welche Rolle dabei die Bundeswehr übernimmt. Vor allem der Deutsche
Bundestag, die Bundesregierung und die politischen Parteien sind
gefordert, eine solche Gesamtschau zu entwickeln und den Bürgern vorzustellen.
…
(2026/23) 25.3.2026
RGA / Bergischer Volksbote
Burscheider Stadtentwicklung; Nadja Lehmanns Artikel „Sanierung mit
Fingerspitzengefühl: Nun geht das Kramerhaus an den Start“ in der Ausgabe v.
21.3.2026, S. 23
Das Kramerhaus liegt im Herzen unserer Stadt und hat nun
viel „do it yourself“ in sich: Schon seine Entwicklung verdanken wir ganz
wesentlich einem über Jahre unbeirrten bürgerschaftlichen Engagement, im
Bücherei-Verein ebenso wie im Tri-Café. Und das künftige Angebot zielt wiederum
auf aktive Bürger*innen, ob unten im Reparatur-Café oder oben im Maker Space,
von sehr besonderen Nähmaschinen bis hin zum 3-D-Drucker.
In der kargen Sprache der Stadtentwickler nennt man so
etwas Schönes „Frequenzbringer“. Und es steht zu hoffen: Mit seinen
kommunikativen Angeboten wird das Kramerhaus auch ein lebhafter Impulsgeber für
die untere Hauptstraße! Eine Altstadt 2.0 hatte unser Integriertes
Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) ja bereits i.J. 2016 angekündigt; das
soll bald unter einem künftigen ISEK-Konzept realisiert werden.
Ein erster Schritt auf diesem Weg ist immerhin schon mal
getan – meinen ausdrücklichen Glückwunsch an die Verantwortlichen! Und einen
guten Start!
P.S.:
Bemerkenswert ist für mich: Das Kramerhaus ist eine klare
Vor-Ort-Initiative, bottom-up, ganz ohne D’dorfer Projektentwickler. Und es
ähnelt insofern einem anderen "hausgemachten" Burscheid-Projekt, dem
„Engel der Kulturen“. Was ja mit sehr breiter Bürgerbeteiligung, u.a. auch aus
unseren Schulen, eingeweiht werden konnte; Sie hatten berichtet.
Das ist das, was mir tatsächlich imponiert: Mehr intrinsisch
angeregte Stadt-Entfaltung als extrinsisch angeratene Stadt-Entwicklung.
Ersteres bürgt wohl auch für mehr stabile Akzeptanz und für einen höheren
Nutzwert. Oder auch: Gesunder Menschenverstand mag ab und zu auch
einmal die professionelle Systemintelligenz überholen ;-)
(2026/22) 24.3.2026
Kölner Stadt-Anzeiger,
Regionalausgabe Leverkusen, abgedruckt 30.3.2026
Burscheider Stadtentwicklung; Thomas Kädings Artilel „Kramerhaus kann endlich
benutzt werden“ in der Lokal-Ausgabe Leverkusen v. 18.3.2026, S. 24
Ein wunderbares Beispiel guter hausgemachter
Stadtentwicklung, dieses wiedergeborene Kramerhaus: Ganz wesentlich von den
ehrenamtlich Verantwortlichen im Bücherei-Verein und
im Tri-Café vorangetrieben und mitgestaltet.
Es wird ein erster Akzent für das Erneuern und Beleben der
unteren Hauptstraße, wie das im Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept
Burscheids eigentlich schon für 2020 angekündigt war. Was lange währt, wird nun
endlich gut – eine in mehreren Dimensionen attraktive
Bürger*innen-Werkstatt, mitten in der Stadt. Meinen sehr herzlichen
Glückwunsch an alle Aktiven!
P.S.: Quelle zur Zeit- und Kostenplanung nach IEHK, Stand
Ratsbeschluss v. 14.12.2016
IEHK Burscheid 2025, S. 184:
Maßnahme A1 = Marktplatz/Kirchenkurve: Kosten brutto 2.288.000 €,
Umsetzungszeitraum 2018-2020
(2026/21) 20.3.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Iran-Krieg; Interview „Deutschland möchte lieber Österreich sein“ von Johannes
Mönch mit Florence Gaub der Ausgabe v. 19.3.2026 (S. 20) und Leitartikel von
Kristina Dunz „Niemand stoppt Donald Trump. Wer keinen Krieg mit den USA will,
der wird den Präsidenten gewähren lassen…“ in der Ausgabe v. 18.3.2026 (S. 4)
Florence Gaub hat völlig Recht: Das Handeln des Westens,
seiner Allianz und seiner mächtigeren Teilhaber war in den letzten
fünfunddreißig Jahren weitgehend berechenbar: Idealpolitik bestimmte den
Sonntag und seine Reden, Realpolitik den Alltag. Nach 1989 jubelte das Bündnis
kurz, musste sich aber unverzüglich ganz neue Aufgaben in Gestalt von
out-of-area-Zielen suchen, um Form und Stellenplan zu halten. Bei Licht besehen
waren die Erfolge und Erträge allerdings viel zu gering, siehe nur in
Afghanistan. Leichter tat sich das Bündnis erst wieder, als es die Front gegen
den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine organisieren konnte und – zum
erklärten Gefallen unseres größten Waffenherstellers – dabei gleich auch die
nationalen Rüstungsanstrengungen hocheffizient ankurbelte.
Nun allerdings öffnet sich die Schere: Ein äußerst
ambitionierter US-Präsident will in seinen letzten Lebensjahren offenbar Geschichte
für mindestens zwei Jahrhunderte schreiben, will wohl die USA um neue
Teilstaaten, mehr Vorfeld und weitere Quellen bereichern. Und dafür will er
militärisch tiefer einsteigen, als es sich das Bündnis traut – und als es sich
die Zivilgesellschaften vorstellen können. An dieser Stelle wird es tatsächlich
unberechenbar. Wie ich annehme, auch für die sehr sprachfähige Analystin
Florence Gaub.
P.S.:
Ich persönlich hätte überhaupt nichts gegen einen Wahlspruch nach Art von „Alii
bella gerant, tu felix Germania age!“ Und meine damit auch: Mehr
Diplomatie wagen. Auch viel mehr Demokratie beim Einsatz der äußeren Gewalt.
(2026/20) 18.3.2026
DIE ZEIT, veröffentlicht am 19.3.2026 im Internet-Angebot der ZEIT: https://www.zeit.de/leserbriefe/2026/12
Iran-Krieg; Beitrag „Sie bomben weiter. Und jetzt?“ von Alice Bota et al. in
der Ausgabe No. 12 v. 12.3.2026, S. 2
Die Unterzeile verspricht Antworten auf die derzeit sechs wichtigsten
Fragen. Das wäre in einer Phase, die sehr an Nietzsches „Umwerten aller Werte“
erinnert, allerdings eine übermenschliche Aufgabe. Zumal unsere Sicht
vom Nebel des Krieges bzw. der laufenden Operation arg verzerrt ist.
Vielleicht führt weiter, laut das Undenkbare zu
denken: Die USA von den Olympischen Spielen zu suspendieren. Bis sie sich
wieder zum völkerrechtlichen Fair Play bekennen.
(2026/19) 13.3.2026
Dolomiten / Tagblatt der Südtiroler, abgedruckt 17.3.2026
Iran-Krieg; zur Berichterstattung zum Iran-Krieg in der Ausgabe v. 12.3.2026,
insbesondere zum Beitrag „Keine Beteiligung am Krieg“ und zu den Notizen
„Pontifex beklagt zivile Opfer“, „Ein Fehler der US-Streitkräfte“ bzw.
„Kriegskosten viel höher als humanitäre Hilfe“ (Dolomiten v. 12.3.2026, S. 2 u.
3)
Danke für den sehr facettenreichen Blick auf den
Iran-Krieg: Auf die vom Papst beklagten vielen zivilen Opfer. Auf die
dilettantische Kriegführung und Zielplanung, die schmerzlich an die versehentliche
Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad am 7.5.1999 erinnert. Auf
den von der Ministerpräsidentin Meloni kritisierten Bruch der gemeinsamen
Weltordnung. Auf das eklatante Missverhältnis der milliardenschweren
Kriegskosten zur humanitären Hilfe für die schon existenten Krisenherde dieser
Welt.
Was wiederum rückkoppelt zu einem Kernthema Giorgia
Melonis, der Migration: Die globale Wanderung wird durch erneutes Erschüttern einer
bereits seit Jahrzehnten destabilisierten Region unweigerlich weiter
getriggert. Nota bene zu unseren Lasten, nicht zu Lasten der Kriegsführer
selbst.
Quellen etwa
https://de.wikipedia.org/wiki/US-amerikanisches_Bombardement_der_chinesischen_Botschaft_in_Belgrad
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax
Und ein P.S.:
Eigentlich sollten tagtäglich Delegationen aus dem Nahen und Mittleren Osten
und aus der Ukraine in Südtirol, wahlweise in der Schweiz anklopfen. Um zu
lernen, wie man aus den Schnittmengen mehrerer Historien und Traditionen, aus
Sprachen, Küchen und Gebräuchen ein sehr überzeugendes Lebens- und
Geschäftsmodell amalgamieren kann.
(2026/18) 9.3.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Iran-Krieg; zum Stellenwert des Völkerrechts, speziell zu den Leitartikeln „Der
Weg ins Abseits“ von Alfred Neven Dumont in der Ausgabe v. 15.2.2003 und
„Bedeutungslos für die Weltpolitik“ von Sven Christian Schulz in der Ausgabe v.
5.3.2026 sowie zum Interview von Joachim Frank mit dem Völkerrechtler Claus
Kreß in der Ausgabe v. 9.3.2026 („Härtetest für Reformen des Völkerrechts“)
Es tut gut, wenn ein ausgewiesener Fachmann wie Claus Creß
im Interview mit Joachim Frank für den Erhalt einer völkerrechtsbasierten internationalen
Ordnung eintritt. Und den gegenwärtigen umfassenden Gewalteinsatz als riskante
Verletzung der internationalen Rechtsordnung kritisiert. Nicht teilen kann ich
allerdings seine Hoffnung, das Völkerrecht könne „trotz Trump überwintern“.
Denn Trumps Weltbild steht ja bei Weitem nicht allein, nicht heute und nicht in
der Vergangenheit. Der inzwischen verstorbene Herausgeber des Kölner
Stadt-Anzeigers Alfred Neven Dumont etwa hatte im Februar 2003 in seinem sehr
ausführlichen Leitartikel „Der Weg ins Abseits“ eine kollegiale deutsche
Unterstützung für den Irak-Krieg dringendst angemahnt. Um nicht den Anschluss
zu verlieren. Und etwa auch, um Chancen beim Wiederaufbau zu nutzen.
Der Duktus stimmt in Teilen überein mit dem aktuellen
Leitartikel „Bedeutungslos für die Weltpolitik“ von Sven Christian Schulz –
wonach Trumps massive Luftschläge zwar „außerhalb des Völkerrechts liegen mögen“,
gleichwohl „richtig und notwendig“ seien, „um für Sicherheit und Stabilität zu
sorgen“. Deutschland sollte dieses Vorbild kopieren und „eine ernstzunehmende
militärische Schlagkraft entwickeln“. Das ist unverblümt das Recht des
Stärkeren, der seine Interessen unbeirrt durchsetzt. Beide Leitartikel, der von
2003 ebenso wie der aktuelle, scheinen allerdings sicher zu sein, dass
Deutschland oder seine Bürger*innen in einer neuen Ära allseits ausgebauter
Machtpolitik nicht selbst Opfer werden könnten.
Quelle.
Der oben zitierte 2003er Leitartikel von Alfred Neven Dumont ist am 14.2.2003
wortgleich in der Mitteldeutschen Zeitung erschienen und dort noch aufzurufen: https://www.mz.de/deutschland-und-welt/die-usa-deutschland-und-der-krieg-der-weg-ins-abseits-2904143
(2026/17) 8.3.2026
RGA / Bergischer Volksbote
zu Nadja Lehmanns Beitrag „Burscheids Altstadt ist ‚kein Ort für alles‘:
Planung nimmt erste Formen an“ (Ausgabe v. 3.3.2026, S. 21)
Der Burscheider Rat wäre gut beraten, zu den von den
Planern nun definierten Varianten „A“ und „B“ gleich auch einen zumindest
überschlägigen Kostenvergleich zu fordern. Ein erster Anhaltspunkt: Das
Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) hatte für die Sanierung
von Markt und Kirchenkurve bereits Kosten von 2,3 Mio.€ geschätzt. Das war
Stand 2016, die Preise dürften zwischenzeitlich angezogen haben. Und zumindest
der Plan A wird mit seinen intensiveren Eingriffen aufwändiger ausfallen als
noch 2016 geplant. Gleichzeitig haben sich die Burscheider Haushalts-Aussichten
wesentlich eingetrübt.
Was immer wir planen, es sollte nicht zu Leistungskürzungen
an anderer Stelle oder zu Abgabenerhöhungen führen. Stadtplanung wuchert gerne
wie im Rausch; der Kater kommt später. Tun wir das, was nötig ist. Nicht das,
was man so gerne hätte..
P.S./Quelle:
Die o.g. Kostenangabe stammt von S. 184 des IEHK 2025:
Maßnahme A1 "Marktplatz/Kirchenkurve": Bruttokosten = 2.288.000 €,
Umsetzungszeitraum 2018-2020
(2026/16) 8.3.2026
Das Parlament, abgedruckt 21.3.2026
zum Krieg gegen den Iran, insbesondere zum Leitartikel von Alexander Heinrich
„Es bleibt die Frage nach den Zielen“ in der Ausgabe Nr. 11 v. 7.3.2026, S. 1
Typischerweise beklagen wir heute das Dilemma: Einen
fremden und Gewalt übenden Staat ertragen zu müssen – oder seine Regierung
passend zu unserer Weltsicht auszutauschen. Unser eigentliches Dilemma wurzelt
indessen viel tiefer: Zwischen einer lange gewohnten Freundschaft und
Partnerschaft zu den USA und einem stabilen, auf Gleichberechtigung beruhenden
Völkerrecht wählen zu müssen. Zumal wir als mittlerer und weltweit Handel
treibender Staat auf eine global berechenbare Rechtsordnung besonders
angewiesen sind. Darum: Auch wir müssen unsere Ziele vernehmlich definieren.
(2026/15) 4.3.2026
Süddeutsche Zeitung
zum Kommentar „Drecksarbeit 2.0“ von Wolfgang Janisch in der Ausgabe v.
3.3.2026, S. 4
Danke für klare Worte! Die Konsequenz: An der nächsten
Olympiade sollten ausschließlich die USA, Israel und Kanzler Merz teilnehmen.
Zeitgemäße neue Disziplin dabei: Regierungswechsel bzw. „regime change“ im
Hammer-Weitwurf.
Im Ernst: Merz hätte seine Seele – und die der Aufklärung –
gerettet, hätte er für diese Vorstellung abgesagt, die primär auf das
amerikanische Publikum zielte. Und hätte er nicht erneut den schweifwedelnden,
speichelleckenden und apologetischen deutschen Teckel gegeben.
Quellen:
Eine schöne Quelle der Aufklärung wäre der sechste
Präliminar-Artikel aus Kants Streitschrift „Zum Ewigen Frieden“; er lautete
(Text nach der Reclam-Ausgabe mit der 2. Auflage [1796] des ZeF, dort S. 7):
„Es soll sich kein Staat im Kriege mit einem anderen solche
Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Vertrauen im künftigen
Frieden unmöglich machen müssen, als da sind Anstellung von Meuchelmördern
(percussores), Giftmischern (venefici), Brechung der Kapitulation, Anstiftung
des Verrats (perduellio) in dem bekriegten Staat etc.“ Es fällt nicht schwer:
Darunter sowohl die Strategien der Assassinen als auch das aktuelle decapitating
oder beheading zu subsumieren, ebenso den Versuch, Iraner zum
gewaltsamen Aufstand zu verleiten.
Wie schon bei dem von CIA und MI6 geplotteten Staatsstreich
gegen den gewählten Ministerpräsidenten Mossadegh, die berüchtigte Operation TPAJAX zum Nutzen der britischen
AOIC. Was in das unstreitig autokratische und gewaltbereite Regime des Schah
mündete. Mit einer Geheimpolizei SAVAK, die mit dem CIA eng kooperierte und
sogar bei den deutschen Studentenunruhen Gewalt entfaltete. Mark Twain bemerkte
sehr hellsichtig, Geschichte wiederhole sich zwar nicht; aber reimen könne sie
sich eben doch.
(2026/14) 3.3.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
zu Daniela Vates‘ Leitartikel „Das Recht muss vor der Macht stehen“ in der
Ausgabe v. 3.3.2026, S. 3:
Bravo! Das Recht vor der Macht zu verteidigen, das braucht
in diesen Jahren und Tagen schon Mut. Wer das Recht zitiert, der wirkt lahm und
versponnen. Und als Held kommt der an, der vom sicheren Lehnstuhl aus einen
Krieg anzettelt. Und ihn dann wie üblich „Operation“ nennt, hier wahlweise
"Operation Roaring Lion" oder "Operation Epic Fury".
Ja, das ist echte Aktion. Gleichzeitig ist es der
schnellste Weg aus der Zivilisation zurück in die Steinzeit, in Dystopien, die wir
früher erschaudernd gelesen haben. Richtig, der Iran wirkt in seiner heutigen
Verfassung wie ein Zombie-Staat. Aber sehr genau hinsehen: Der Westen hat den
real existierenden Gottesstaat selbst entscheidend mitgeprägt: Durch den 1953er
Putsch gegen den gewählten Ministerpräsidenten Mossadegh, durch die
jahrzehntelange Unterstützung des Schah-Regimes – einer eindeutig
autokratischen und sehr gewaltbereiten Herrschaft.
Folglich: Wenn der Westen heute den Iran neu gestalten
will, dann formt er seinen eigenen Golem um, hier eine Kreation
fehlgeschlagener Geopolitik, zum Schaden voraussichtlich Tausender Iraner jeden
Alters und Geschlechts. Auch wir sitzen nun dabei im Lehnstuhl vor den
schauerlichen Nachrichten. Und sehen mit dem Dackelblick des Kanzlers zu.
Besser, wir bleiben beim Völkerrecht und vermeiden ewige Wiederholungen
von Gewaltzyklen.
Quellen etwa:
"Operation Roaring Lion" oder "Operation Epic Fury" = https://de.wikipedia.org/wiki/Irankrieg_2026
"Operation (TP) Ajax = https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax
(2026/13) 18.2.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
USA; zu den beiden Amerika-Kolumnen von Klaus Larres in den Ausgaben v. 31.1.
u. 7.2.2026 („Das ‚Frankenstein-Monster‘ Europa“ und „Verlust des Anstands und
der Moral“)
Zwei Amerika-Kolumnen von Klaus Larres recht kurz
hintereinander – aber doch mit sehr unterschiedlichen Graden von Hoffnung. Die
zweite lässt immerhin als Deutung zu: Ein „guter“ Teil des Westens, und seien
es auch nur Mittelmächte, könnte trotz eines erst kürzlichen Verfalles von
Anstand und Moral in den USA zu einer ethisch begründeten Politik und zu
entsprechendem globalem Goodwill zurückführen.
Realistischer ist leider aber wohl der erste, vermutlich auch
deutlich früher verfasste Kommentar: Er weist auf die bereits seit Jahrzehnten,
jedenfalls schon zu Nixons und Kissingers Zeiten, tief klaffende Schlucht hin.
Auf eine Gemeinschaft, die zuallererst über Interessen und weniger über die
ständig beschworenen humanen Werte definiert ist. Ähnlich nüchtern sah es auch
Egon Bahr: In der Außenpolitik gehe es gar nicht um Demokratie, Freundschaft
und Menschenrechte, so gerne man diese auch im Schilde führe. Sondern um stets
konkrete, gewichtige und divergierende Interessen von Staaten.
Wenn das so ist – und das ist sehr wahrscheinlich: Dann
läge die Chance Europas für neue Reputation eher in Strukturen und Verfahren:
Etwa als Sitz multilateraler Institutionen wie der VN, die heute in den USA
irritierend heimatlos, entwertet und verfolgt erscheinen. Und zwar am besten
künftig breit verteilt, mit Schwerpunkten in Mittel- und Osteuropa.
Danke für den zu Recht
skeptischen Blick! Steuerdumping hat zudem diese hochgiftige Nebenwirkung auf
die Nachbarschaft – indem das Dumping entweder bisherige Steuererträge schamlos
abwirbt oder die Nachbarn zur unverzüglichen Nachahmung zwingt. Und in einem
Unterbietungswettbewerb die Gesamterträge der öffentlichen Hand weiter schrumpfen
lässt, gleichzeitig die befallenen Kommunen von allen möglichen alternativen
Förderquellen abhängig macht. Oder: Ihre Haushalte fremden
Interessen unterwirft und die kommunale Selbstbestimmung zur Farce
verkommen lässt. Nicht zuletzt führt es dazu: Die Kommunen müssen die
verlässlich örtlich Verwurzelten – uns reale Menschen also – für die
kommerziellen Ausfälle weiter und stärker zur Kasse bitten, mit allen
erdenklichen kommunalen Abgabenerhöhungen. Um ihr Buch wieder halbwegs rund zu
machen, jedenfalls zeitweise.
Eigentlich wäre all
das ein sehr überzeugender politischer Anlass für eine Steuerreform, die
im Gesamtsystem heilt und umverteilt. Aber in der politischen Fresspyramide
sind und bleiben die Kommunen leider die erbärmliche Keller-Etage, gerade bei
Mangel-Lagen wie heute.
Das Verwunderliche
bleibt: Alle Politiker*innen, gleich auf welcher Stufe der Pyramide, kennen die
Lage sehr genau, kennen die Dach- und Mauerschäden und Schlaglöcher aller Arten.
Denn sie können ihren Wohnsitz eben nur vor Ort beziehen, in den Kommunen. Im
Kellergeschoss.
(2026/11) 13.2.2026
RGA / Bergischer Volksbote
Stadtentwicklung; zu Nadja Lehmanns Artikel in der Ausgabe v. 10.2.2026, S. 13
(„Zu viel Leerstand? Richard Kretzer bangt um die Einkaufsmeile Hauptstraße“)
Im Jahre 10 der Realisierung unseres
Stadterneuerungsprogramms IEHK zeigt sich im Stadtrat einige Ratlosigkeit.
Zunehmende Leerstände in der mittleren und insbesondere unteren Hauptstraße? Sie
hatten 2015 den Anstoß für das Programm gegeben. Auch ein aktives
Quartiersmanagement gegen Leerstand kam ausdrücklich ins Lastenheft. Das
Programm erhielt dann das stattliche Volumen von 19 Mio. € aus
Mitteln des Landes und der Kommune. Die inzwischen restlos ausgeplant
sind.
Und nun? Weiter oder wieder Leerstände! Der eine sagt: Zu
wenig getan. Und die andere: Die Zeiten haben sich geändert. Wahrscheinlich
stimmt beides, jedenfalls ein wenig. Das IEHK selbst war noch Kind eines Planungs-Hype,
der vor langer Zeit von den drei Kühn-Kabinetten gestiftet wurde: Man nehme
gegen Strukturwandel: Große Gehäuse, Konsumtempel & Tiefgaragen
an Magistralen; Leverkusen zeigt ein ganzes Museum davon, heute viel alter
Beton mit Zahnlücken und finsteren Ecken allerorten.
Corona hat dann aber eigentlich nur klarer gemacht: Der
groß aufgestellte stationäre Handel in Innenstädten hatte sein Hoch bereits
hinter sich. Und gerade die für’s Überleben wichtigen Randsortimente laufen
heute wie geschmiert über digitale Order. Heißt für Burscheid: Ein
Montanus-Quartier muss heute schon ganz anders, nämlich kleinteiliger, diverser
und anpassungsfähiger aussehen – und die Hauptstraße kann heute mit
beweglichen, zugänglichen und vernetzten kleinen Einheiten wieder deutlich
besser punkten. Was es nur braucht: Stadtplaner*innen mit einem Examen jünger
als 10 Jahre. Die sich direkt auf der Hauptstraße zusammen mit Bürger*innen,
Verwaltung und Rat das lebhafte Bild eines modernen Burscheid machen.
P.S.
Zu markanten Leerständen zu Beginn des IEHK-Prozesses insbesondere in der
unteren Hauptstraße siehe etwa IEHK S. 57 Abs. 4
Zu Heinz Kühn, MP NRW Dez. 1966 bis Sept.1978, der sich als
dynamischer Erneuerer in Zeiten des zunehmenden Strukturwandels verstand, auch
mit den Instrumenten der Stadtentwicklung, siehe etwa:
https://www.landtag.nrw.de/home/der-landtag/geschichte-des-landtags/verfolgungsbiografien/biografien/heinz-kuhn/lebensgeschichte-heinz-kuhn.html; https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_K%C3%BChn
(2026/10) 4.2.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Mottowagen; zu Lena Heisings Interview mit Jacques Tilly in der Ausgabe v.
31.1.2026, S. 21 („Wie weit geht Narrenfreiheit, Jacques Tilly?“)
Jaques Tilly ist für
mich der Auguste Rodin der grandiosen, bisweilen monsterhaften Plastiken,
dieser Gassenhauer aus Pappmaschee. Und mit tatsächlich riesigen Ausstellungen;
das breite mediale Echo erreicht sicher noch einmal das Tausendfache der Menschen
am Zugrand.
Ein wenig doppelbödig
wirkt auf mich heute Tillys Wagen von 2022: Putin im Begriff, die Ukraine zu verschlingen.
„Erstick dran!“ war die unmissverständliche Botschaft. Das ruft eine
andere Perspektive wieder wach - eine, die bei uns anfänglich dominierte:
Russland soll sich an diesem Bissen schnell und final verschlucken. Aber den
Schaden, den hatten und haben konsequent zehntausende Opfer vor Ort. Den Nutzen
hatten und haben wir: Vielleicht Sicherheit, in jedem Fall Kontrakte. Und wie
vorteilhaft: Ohne jedes politische Risiko eigener Toter oder physisch bzw.
psychisch Verletzter! Dieses Setting nennt man Stellvertreterkrieg. Und wir
müssen uns fragen: Haben nicht auch wir nun einige von den abertausenden
Leichen im Keller? Als geradezu abgeklärt will ich dann Tillys Botschaft von
2024 bewerten. Als er uns die Umwelt auf die Schulter klopfen ließ und
unverblümt ausdrückte: Unsere Endgegner, das sind wir selbst. Ich bleibe sehr
gespannt, was und wie es diesmal wird.
P.S.
Da konnten sich natürlich auch die Kölner nicht lumpen lassen, was nachhaltig
prägende Skulpturen mit deftigen Lektionen angeht. Legendär der 2023er
Nosferatu-Putin des Kölner Festkomitees: Rührt eine Blutsuppe mit vielen darin
treibenden Grabsteinen; im Hintergrund die Basilius-Kathedrale, das
Wahrzeichen Moskaus. Und auf Putins Brust? Die heraldischen Zeichen des
Reichs des Bösen: Hammer und Sichel! Mit diesem Bild hat dann im
Februar 2023 auch der KStA aufgemacht. Reinhard Gehlen, der Architekt zweier erklärt anti-sowjetischer Dienste
vor und nach 1945, er hätte sich ausgelassen auf die Schenkel geklopft: "Habe
ich's denn nicht immer schon gesagt?"
Natürlich ist eine öffentliche 7/24-Toilette ein sehr berechtigter
Wunsch. Nur: An der Toilette gleich noch ein öffentliches Parkhaus aufzuhängen,
das wäre ungefähr so folgerichtig und zukunftsfähig wie das seit langem
geplante XXL-Shopping-Center aus großer Drogerie plus sehr breitspurigem
Vollsortimenter in der Montanusstraße.
War aber das Parkhaus nicht Volkes Wille, gerade noch
geäußert vom Altstadt-Workshop im Dezember? Langsam, langsam. Die Bürger*innen
hatten dort sehr vernehmlich für den Erhalt des existenten leicht erreichbaren Parkraums
votiert, vom Marktplatz bis einschließlich Kirchenkurve. Und nicht etwa für den
Ersatz in Gestalt eines neuen Parkhauses. Eines, das sich Burscheid bei seinen
wieder sehr rasch schmelzenden Rücklagen nach allen vorliegenden Daten
definitiv nicht mehr leisten kann. Und als private Maßnahme wäre das
Unterfangen besonders unwahrscheinlich, wie auch der Antrag gleich einräumt –
mit Blick auf die Erfahrungen in der Montanusstraße. Dort steht das Parkhaus der
„Neuen Mitte“ mehr und mehr in den Sternen. Und für eine zweite Parkebene über
dem Rathausparkplatz, die im IEHK als „Parkpalette“ und für zusätzliche
Entlastung geplant war, da hat sich nie auch nur ein einziger Interessent bzw.
Investor finden lassen.
P.S.:
Häufig zieht eine Fehlspekulation die nächste hinter sich her: Der Burscheider
Rat hatte am 14.12.2016 das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept
Burscheid 2025 beschlossen, mit dem Kernprojekt „Neue Mitte Montanusstraße“. Dafür
Quartier zu machen kostete bereits ca. 80 Parkplätze – typischerweise die
hochbegehrten Ganztagesplätze – an der Balkantrasse. Das Parkhaus des neuen
Einkaufszentrums (IEHK S.156ff) hätte schnell Abhilfe schaffen sollen. Aber es
lässt wie bekannt auf sich warten, auf eine inzwischen völlig unabsehbare Zeit.
Für die im IEHK Burscheid 2025 ebenfalls geplante „Parkpalette“ – man wollte
sie bis 2024 durch eine zweite Etage über dem im Artikel abgebildeten
Rathausparkplatz realisieren (IEHK S. 166, 185) – da hat sich ebenfalls kein
potenter Investor gefunden. Verständlich, wenn sich auf den Straßen nun
immer breiterer Unmut Bahn bricht und dass dann selbst die frühesten
Unterstützer des Montanus-Projekts so langsam politisch kalte Füße bekommen.
Nicht nachvollziehbar bleibt für mich indessen die
Nibelungentreue des BfB zu dem ASS-Chefplaner Hans-Joachim Hamerla. Das BfB
hatte schon sehr früh seinen eigenen maßgeblichen Einfluss auf die ASS-Planungen
für ein IEHK Burscheid 2025 gepriesen, auch zum Montanus-Center, siehe etwa die
vor 10 Jahren publizierte Bürgerzeitung „Breitseite 1/2016“ (https://www.buendnis-burscheid.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/Buergerzeitung/LR_Buergerzeitung-1.AusgabeRZ-2.pdf) . Eigentlich sollten heute
sehr kritische Fragen aufkommen – wo weder die Altstadt-Sanierung noch die
Zentrumsverlagerung abzusehen ist. Im Grunde sind dies gleich zwei
stadtplanerische Offenbarungseide. Stattdessen – ein Fortsetzungsauftrag? Für
ein öffentlich finanziertes und betriebenes Parkhaus? Das zu Verlusten
verurteilt ist?
Ich würde dazu raten, den Antrag unverzüglich
zurückzuziehen. Und später frustrierte Planungskosten - bzw. weitere voluminöse
ASS-Spesen - einzusparen.
P.P.S.
Der Wortlaut des gemeinsamen Antrags von BfB, SPD und GRÜNEN vom 15.1.2026 ist
auf der SPD-Seite eingerückt, siehe https://spd-burscheid.de/fraktion/antraege-und-anfragen/details-antraege/gemeinsamer-antrag-umgestaltung-von-unterer-hauptstrasse-marktplatz-und-kirchenkurve.html
(2026/8) 22.1.2026
Kölner Stadt-Anzeiger, abgedruckt 24.1.2026
Friedenspolitik; zum Interview von Joachim Frank mit Rolf Mützenich in der
Ausgabe v. 21.1.2026, S. 6 („Trump verhöhnt das Verhandeln“) sowie zum
Frank&Frei-Podium „Und die Feindesliebe?“ am gleichen Tage in der Kölner Karl-Rahner-Akademie
Rolf Mützenich wirkt
verletzlich, räumt Schrammen und Beulen ein. Nachgefragt: Männer wie Karl
Rahner, die im Kalten Krieg im Westen wie im Osten willkommen waren und gesprochen
haben, oder Egon Bahr, der durch den Eisernen Vorhang hindurch denken konnte:
Hätten diese heute Chancen in der SPD? Eher unrealistisch, antwortet Mützenich
mit Bedauern.
In der
Karl-Rahner-Akademie jedenfalls hatte er die deutliche Mehrheit des
christlichen Abendlandes hinter sich – für aktive Vertrauensbildung und einen
unbeirrten Dialog unter Gegnern. Nicht nur das christliche Abendland im
Übrigen, auch die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur stärkte ihm den Rücken.
Mützenich hat wohl das Zeug, Friedfertige in der traditionell gewaltkritischen
SPD zu halten. Und gerade nicht solche, die heute beseelt den Kriegstanz tanzen
– trotz der im Mittel sehr schlechten militärischen Bilanz seit UNOSOM II.
Damals schon: nach der Phase der Entspannungspolitik.
Ich verstehe Rolf
Mützenich auch so: Er hätte sich nicht vor Trumps Schreibtisch zitieren und
dort nicht von oben herab kujonieren lassen. Respektable und repräsentative Europäer
sollten genau das in Zukunft meiden wie der Teufel das Weihwasser.
Anm.:
Mützenichs berechtigte Kritik an europäischen Staatsmännern (dritter Absatz des
Leserbriefs) bezog sich offenbar auf ein Bild vom Washingtoner Ukraine-Gipfel
vom 18.8.2025; es ist u.a. hier wiedergegeben: https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/am-schreibtisch-des-praesidenten-hier-bangt-europa-vor-trump-68a4269a99ec9e2fe941d6c4
(2026/7) 20.1.2026
RGA / Bergischer Volksbote,
abgedruckt 22.1.2026
zu Nadja Lehmanns Artikel „Braucht Burscheid ein Parkhaus?“ in der Ausgabe v.
19.1.2026, S. 21)
Für mich sind es sehr
überraschende Folgerungen aus der Stadtentwicklungs-Werkstatt kurz vor
Weihnachten: Ein Parkhaus für die Altstadt, ggf. kommunal finanziert und betrieben?
Jedenfalls in meinem Beisein hatte es seitens der Bürger*innen völlig anders
geklungen: Die bereits vorhandenen, Barriere-armen Parkmöglichkeiten in der
unteren Hauptstraße möglichst erhalten – fairerweise ebenso wie im mittleren
und oberen Abschnitt! Und den Durchfluss weiter gewährleisten, nicht etwa
einen Gefäßverschluss in unsere Lebensader einbauen!
Genau das müsste uns
auch das Beispiel Altenas zeigen, wo das Düsseldorfer Planungsbüro ASS zuvor beraten
hatte: Der verkehrsberuhigte Teil der dortigen Lennestraße, sie entspricht
historisch und funktional unserer Hauptstraße, ist trotz eines „IEHK Altena
2015“ weiter und weiter ausgetrocknet. Siehe und lerne!
Ich möchte anregen, und
das war m.E. auch der weit überwiegende Wille am 17. Dezember: Markt und untere
Hauptstraße behutsam neu gestalten, Verkehr zulassen, Geld sparen. Geld, das
wir angesichts unserer rapide schmelzenden Rücklagen ebenso wenig locker haben
werden wie für den Bau und Betrieb eines Parkhauses.
P.S.
Meine Eindrücke der ISEK-Werkstatt am 17.12.2025 stehen in einer am
16.1.2026 abgegebenen Stellungnahme: https://www.vo2s.de/bu_2026-01-16_isek-workshop_voss.pdf; Kurzfassung unter https://www.vo2s.de/bu_2026-01-16_isek_voss-ms.pdf. In der offiziellen Doku des Moderators vom 17.12. findet
sich ebenfalls kein Beleg für eine Parkhaus-Initiative, siehe https://beteiligung.nrw.de/portal/download/resources/beteiligung/1020584/gegenstand/1050504/datei/1914528_1/doku_buergerws_isek2030_251217_promediare_final.pdf
(2026/6) 12.1.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Iran; zu Christoph Schmidts Beitrag „Ein Charles III. des Mittleren Ostens“ in
der Ausgabe v. 12.1.2026, S. 2
Danke für den
berechtigten Hinweis auf die Vorgeschichte der Islamischen Republik: Auf den
i.J. 1953 von westlichen Diensten mittels der Operation TPAJAX initiierten
Machtwechsel, vom demokratisch gewählten iranischen Präsidenten Mossadegh auf
das dann autokratische Regime des Mohammad Reza Pahlawi. Damals wie heute in
Venezuela waren Öl-Interessen hochwirksam, aber auch ein rapide wachsendes
Blockdenken und der stete Versuch, strategisch relevante Staaten in die eigene
Richtung zu „drehen“.
Das Regiment des Schah
– es stützte sich auf den als brutal bekannten iranischen Dienst SAVAK, wurde
mittelbar sogar Auslöser der deutschen Studentenunruhen – hielt sich bis 1979;
sein Zusammenbruch stürzte den Iran in die heutige Theokratie. Was wir im Jahre
2026 sehen, das ist ein vom Westen verantwortlich mitgeschaffener failing
state, und er wurde durch den irakisch-iranischen Stellvertreter-Krieg und
durch jahrzehntelange einschneidende Boykott-Maßnahmen systematisch weiter
zerrüttet. Oder: Es ist nun das furchterregende Produkt von Zauberlehrlingen.
Der Westen ist damit
die allerletzte Weltregion, die das Vertrauen der Iranerinnen und Iraner
verdient. Wir müssen uns von Ratschlägen oder gar von dynastischen Ideen
fernhalten. Auch die noch frischen Erfahrungen mit ISAF müssten uns ernüchternd
davon abhalten, einem neuerlichen Machtwechsel in einem islamischen Staat
nachzuhelfen. Was uns nicht verwehrt ist: Vermittelnde Diplomatie, spürbare
Nächstenliebe und menschliche Hilfe, ohne weltanschauliche Hintergedanken.
Quellen etwa:
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax
https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Golfkrieg
P.S.
Ein geringschätziges, wenn nicht zynisches Verhältnis des Westens gegenüber
Iran und Irak mag man mit Bemerkungen charakterisieren, die einem
US-Außenminister und einer Amtsnachfolgerin zugeordnet werden:
(1) „It’s a pity
they can’t both lose.“ = Henry Kissinger zu den möglichen Folgen des
irakisch-iranischen Krieges 1980-1988 bzw. des ersten Golfkrieges, damals noch
mit intensiver US-Unterstützung für den Irak, zitiert nach https://www.independent.co.uk/voices/henry-kissinger-death-obituary-nixon-vietnam-b2456059.html). Anm. zur Quellenlage: Kissinger wird mit mehreren leicht
voneinander abweichenden Wortlauten zitiert; eine sicher verbürgte Quelle
(Ort/Datum) gibt es m.W. nicht, allerdings sind auch keine Dementis bekannt.
Das folgende Zitat ist allerdings sehr gut verbürgt:
(2) „We think the
price was worth it.“ = Madeleine Albright am 12.5.1996 in einem per Youtube
nachverfolgbaren Interview auf die für sie überraschende Frage, ob massive
Todesopfer unter irakischen Kindern infolge eines US-Medizin-Boykotts im
Kontext des zweiten
Golfkriegs 1990/1991 gerechtfertigt waren, siehe u.a. https://en.wikipedia.org/wiki/Madeleine_Albright.
Man sollte in der Rückschau
festhalten: Am Ende hatten tatsächlich beide Völker massiv verloren –
das des Irak und das des Iran. Oder auch: der Stoßseufzer, der oben
Henry Kissinger zugeordnet ist, hat sich schließlich mit nachhaltigen Wirkungen
erfüllt. Ohnehin erscheint der Nahe und Mittlere Osten heute in sehr weiten
Teilen destabilisiert, zerstört und als Ausgangspunkt breiter Fluchtbewegungen.
„Ex oriente lux!“, wie es noch mein Großvater kannte, das wird heute
niemand mehr ernsthaft sagen wollen.
(2026/5)11.1.2026
Frankfurter Allgemeine, abgedruckt 10.2.2026
Venezuela; Michael Hansfelds Beitrag „Action in Caracas. Donald Trump macht die
Regeln, was machen wir?“ in der Ausgabe v.5.1.2026, S. 9
Tollkühn-brillant, was die Elitekämpfer der Delta Force da
in Caracas vollbracht haben? Ja, zumindest zur erklärten Befriedigung eines Donald
Trump, der die rasante Action live und in Farbe am Bildschirm miterleben
durfte. Aber „macht Donald Trump (nun) die Regeln“, wie es der Untertitel
ausdrückt? Oder reißt er nicht lustvoll tragende Teile desjenigen Regelwerks
ein, auf dem die UNO und damit die friedliche und gedeihliche Koexistenz der
Völker basieren?
Oder auch: Was wären die lessons to be learnt
speziell für uns? Könnte irgendein Kommandeur der Bundeswehr im Rahmen der ganz
zu Recht weiter hoch gehaltenen „Inneren Führung“ seinen erwartungsvollen
Soldatinnen und Soldaten erklären, wo der militärische Auftrag der Allianz
künftig anfängt? Und wichtiger noch: Wo er endet? Zu staatlichen
Gewaltformen, die irreversibel in Grundrechte eingreifen, sollte genau das der
Kommandeur – ebenso der Werbe-Offizier in der Schulklasse – mit befriedigender
Genauigkeit definieren, sprich abgrenzen können, nicht wahr?
Es ist völlig richtig: Wir müssen die Souveränität ausbauen,
das Völkerrecht bzw. ganz allgemein eine regelbasierte Ordnung zu verteidigen
bzw. durchzusetzen, dabei auch die golden rule bzw. den kategorischen
Imperativ. Ebenso richtig ist: Durch Kopie des aktuellen US-amerikanischen
Benchmarks – oder durch betretenes Wegschauen bei robusten Kommando-Einsätzen –
werden wir hier keinen Millimeter vorankommen, ganz im Gegenteil.
P.S.
Es heißt: Der von Donald Trump autorisierte Einsatz habe etwa
vierzig venezolanische Tote gefordert, damit in gleicher Größenordnung wie bei
dem wohl fahrlässig verursachten Diskotheken-Brand in Crans-Montana zwei Tage
vorher. Glocken werden in Washington nicht geläutet haben. Und natürlich wird
sich auch kein Strafgericht dieser Welt je mit der 2026er Causa Venezuela
befassen wollen. Diese Opfer hatten schlicht zur falschen Zeit am falschen
Platz gestanden.
(2026/4) 11.1.2026
Süddeutsche Zeitung
Venezuela; Herfried Münklers Beitrag „Das Imperium schreitet voran“ in der
Ausgabe v. 5./6.2026, S. 9
Eine neue Weltordnung
möchte ich es nicht nennen, übrigens auch keine weitere Zeitenwende. Eher eine
parabolische Geschichtsentwicklung, nur halt mit einem neuen Gradienten bei
offener Schamlosigkeit, neo-kolonialistischer Gier und nationalem Egoismus.
Der Venezuela-Coup
erinnert mich auch nicht primär an die Strafexpedition bzw. das robuste Kidnapping
des panamaischen „Strongman“ Noriega Anfang der Neunziger, mag es auch einige
Ähnlichkeiten geben. Sondern viel mehr an die Operation TPAJAX schon in den
Fünfzigern. Als CIA und MI6 wie eifrige Zauberlehrlinge gegen den
bürgerlich-nationalen iranischen MP Mossadegh plotteten, u.a. zu Gunsten der
AIOC, später BP bzw. Aral. Als diese Dienste dann ein hoch autoritäres
Satrapen-Regime aus Schah und SAVAK installieren halfen. Das am Ende scheiterte
und den Iran in eine – dem Westen noch viel abträglichere – Theokratie stürzte.
Und heute will ein Schah-Sohn gerne wieder abhelfen, mit Hilfe des Westens. Oder
auch: groundhog day.
Also wohl wenig Neues,
viel Zyklisches und peinlich berührtes Wegsehen, gerne auch Orwell’sches
Doppeldenk und Doppelsprech. Nun: Die USA wollen sicher keine neue globale
Souveränität durchsetzen; sie wollen schlicht ihre jahrzehntelange Rolle bei
der Steuerung und Nutzung der Welt und ihrer Ressourcen perpetuieren, möglichst
ad ultimo. End of history per Diktat.
P.S.
Ich neige einer
Erklärung des britischen Historikers Peter Heather für die Erosion des Römischen Weltreichs zu:
Landnahmen insbesondere
germanischer Völker i.R.d. Völkerwanderung schmälerten in einer Art
umgekehrtem Schneeball-Effekt die Ressourcen-, Ertrags- und Steuerbasis
der weströmischen Zentralregion, mit Folgen für den Erhalt staatlicher Systeme,
speziell auch der Streitkräfte. Die Fähigkeiten der Gegner Roms wurden
gleichzeitig durch zivilisatorische Lernprozesse - Übernahme römischer Systeme
und Verfahren - stetig gestärkt.
Hält man das für
relevant, dann macht die Trump'sche Politik sehr viel Sinn, um den status
quo der USA zumindest zeitweise zu stabilisieren: Die äußere Gewalt
entschlossen weiter auszubauen (Wehretat; proprietäre Waffensysteme),
Ressourcen, Stützpunkte u. ggf. Land pro-aktiv zu sichern (Venezuela, ggf.
Grönland, Iran etc.) und alle denkbaren Gradienten bei Importen und Exporten zu
nutzen (u.a. Zölle, Importbeschränkungen).. Ebenso wird es sich empfehlen,
potenzielle Konkurrenz durch ökonomisch destabilisierende Aktivitäten auf
Distanz zu halten (Zölle, Boykotte, Zwang zu vergleichsweise unproduktiven
Bündnis- und Militär-Ausgaben) und fremde Allianzen zu hindern oder (EU)
aufzubrechen. Schöne neue Welt - möglichst ohne Werte und Regeln nach Art der golden rule.
(2026/3) 10.1.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Venezuela; Interview „Auf der Rutschbahn zur Rechtlosigkeit“ von Joachim Frank
mit Claus Kreß in der Ausgabe v. 8.1.2026 S. 4
Claus Kreß ist von
Herzen zuzustimmen: Die US-amerikanische Strafexpedition in Venezuela lädiert
die internationale Glaubwürdigkeit der USA massiv, gleichzeitig aber eben auch
den Goodwill aller erklärten Partner einer westlichen Wertegemeinschaft. Soweit
wir von Gemeinschaft überhaupt noch sprechen dürfen – das alte Europa dürfte in
den Augen Trumps heute als Systemgegner und Ressourcenkonkurrenz erscheinen,
jedenfalls für den amerikanischen Kontinent.
Was ist eine mögliche
Remedur? (1) Diplomatischer Protest: Das ist das Allermindeste, bleibt leider
aber in diesem Fall wenig Respekt gebietend. (2) Angesichts der häufig
zitierten Weltgeltung des deutschen Strafrechts könnten wir den
venezolanischen Blutzoll gerichtlich untersuchen – berichtet wird von zweistelligen
Opferzahlen. Aber genau das werden wir vermeiden wollen, ebenso wie der
Internationale Strafgerichtshof in Den Haag. Und die UNO bleibt paralysiert,
gerade gegenüber ihrem Sitzstaat und Champion. (3) Es bleibt nur Clintons
geflügeltes Wort „It’s the economy, stupid!“ Heißt hier:: Eigene
Abhängigkeiten minimieren, US-Privilegien kündigen, die Außen-, Sicherheits-
und Wirtschafts-Politik merklich emanzipieren. Wenn überhaupt etwas Trump interessiert
und imponiert, dann ist es Ökonomie. Und EU-eigenes Denken ist hier spätestens
mit der US-amerikanischen Sicherheitsstrategie vom November 2025 lebenswichtig
geworden.
(2026/2) 9.1.2026
DIE ZEIT, veröffentlicht am 15.1.2026 im Internet-Angebot der ZEIT = https://www.zeit.de/leserbriefe/2026/2
Berichterstattung bzgl. des Venezuela-Coups und möglicher Weiterungen in der
Ausgabe v. No. 2 v. 8.1.2026, speziell zu Bernd Ulrichs Leitartikel „Von wegen
Öl“ und zum Beitrag „Diesmal ohne Blumen im Haar“ von Holger Stark (S. 1, 37)
Klar ist er ein Proll, der Trump. Und geil auf Präsenz im
Denken möglichst vieler Zeitgenossen und Nachfahren. Aber er ist auch Proll der
Prolle und Troll der Trolle. Und ist damit Teil eines Programms, das man
„Vorwärts in die Vergangenheit!“ betiteln könnte. Das auf Ängste vor einem
globalen Abstieg aufbaut und wie in einem Bauchladen viel Zugkraft für eine
breite Bewegung verbindet: Maskulin-militärisch-weiße Überlegenheits- und
Landnahme-Träume, gerade gegenüber den Latinos („Always remember the Alamo!“), das Aufatmen über
wieder schrankenlose Ressourcen und Wachstum ohne Reue, vielleicht gar
romantische Südstaaten-Erinnerungen an verlässliche, gottgewollte Schichtung.
„It’s oil, stupid!“ könnte Trump nun auf Nachfrage
näseln. Ja, Öl ist nicht alles. Aber schon ein repräsentativer Akzent und
Venezuela ist eine gezielt einschüchternde Geste. Mit massivem
Kollateral-Nutzen: „Öl mehr und billiger!“ wird er es dealen, als Kostensenkung
für nationale Bürger und Unternehmen. Und – breites Schenkelklopfen – es setzt
gleichzeitig diese anmaßenden Araber und die frechen Russen unter Druck, mag
sie destabilisieren. Und, nicht zu unterschätzen: Alles, was die Army zu
Wasser, zu Land und in der Luft auch nur einen Zentimeter bewegen will, das
läuft für unabsehbare Zeit auf Öl.
Nicht schön? Aber so ist es. Und morgen Grönland?
Selbstverständlich. Der Kanzler wird am Ende im gelobten Oxford-Englisch
schweigen.
P.S.:
Was alles noch nichts über die Haltbarkeit der ruppigen Venezuela-Geste sagt.
Allerdings möchte ich wie Holger Stark von nachhaltigen, Trump
weit überdauernden Wirkungen ausgehen. Sowohl was Maga angeht als auch die
aktuelle Aktion. Der Versuch einer Annäherung:
Einiges gemeinsam hat der aktuelle Coup m.E. mit der
Operation TPAJAX des Jahres 1953, zu Zeiten Eisenhowers und Churchills. Als man
in Kooperation der Dienste CIA und MI6 den Iran grundreinigte bzw. den
gewählten, aber geopolitisch lästig gewordenen MP Mossadegh wegwischte. Zum
Nutzen (auch) der Ölgesellschaft AIOC, später BP, noch später hierzulande
Aral.
Dies leitete das auf den berüchtigten Dienst SAVAK
gestützte auch aus heutiger Sicht hoch autokratische, westlich orientierte
Regime des Schah Mohammad Reza Pahlavi ein. Der dann i.J. 1979 den Iran nach
stabilen Massenprotesten verlassen musste. Will sagen: Der regime change d.J.
1953 hatte für gut 26 Jahre vorgehalten, hatte am Ende des Tages allerdings
einen theokratischen Iran (dann ohne die praktische SAVAK-CIA-Schnittstelle)
zurückgelassen. Der wiederum den Urhebern des 1953er Coups, etwa Kermit
Roosevelt, noch viel weniger gefallen hätte als der Iran zu Zeiten eines
grund-bürgerlichen Realpolitikers Mossadegh. Shit happens. Der Ablauf
könnte sich dann – aber mit sicherem Abstand zur statistisch zu erwartenden
Lebensphase Trumps – in Venezuela wiederholen. Wie Mark Twain feststellte: „History doesn't repeat itself, but it often rhymes.“
Quellen etwa:
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax
https://de.wikipedia.org/wiki/SAVAK
P.P.S.
Nach der aktuellsten Nachrichtenlage bringt sich gerade der
Schah-Sohn Reza Pahlawi in Stellung, als möglicher neuer iranischer
Staatsführer - im Zusammenhang mit den Unruhen der letzten Tage, die wesentlich
auf einer weitgehend destabilisierten Wirtschaft beruhen. Ich möchte
darauf wetten: Trump wird eine solche grunddemokratische Personalie in
Kürze und sehr öffentlichkeitswirksam für eine äußerst geniale Idee halten.
Noch ein Reim, diesmal mit einer Wiederholungsrate von 73 Jahren. Wenn ich
recht zähle.
(2026/1) 4.1.2026
Frankfurter Allgemeine, abgedruckt 16.1.2026
Thomas Mann; Anne Dreesbachs Beitrag „Dem Pudel die Citrone zugeworfen“ in der
Ausgabe v. 3.1.2026, S. 9
Der Psychologe Manfred
Koch-Hillebrecht hat in seinem eingehend belegten Hitler-Psychogramm aus dem
Jahre 1999 auffällige Entsprechungen im Fühlen und Denken zweier so
gegensätzlich agierender Charaktere wie Thomas Mann und Adolf Hitler
herausgearbeitet: Etwa ein bildhaftes und über lange Zeit sehr stabiles
Erinnnerungsvermögen, das Hitler quasi zehn Teleprompter gleichzeitig verlieh
und Mann die Fähigkeit, komplexe Beobachtungen noch nach Jahren verlustfrei in
seine Schriften einzufügen. Oder eine vage definierte Sexualität, die bei
beiden leichter zu „Infatuiertheiten“ als zu tiefen menschlichen Bindungen
führte.
Wenn sie zudem eine nicht
nebensächliche Faszination für den Hund geteilt haben, dann mag das die
Beobachtungen von Koch-Hillebrecht in einem Detail abrunden.
Quelle etwa:
Manfred Koch-Hillebrecht, Homo Hitler / Psychogramm des deutschen Diktators,
Siedler 1999, speziell S. 207ff
Letzter Leserbrief aus 2025 (> 500 weitere Briefe
siehe die Links unten zu 1992 bis 2025):
(2025/78) 18.12.2025
DAS PARLAMENT, abgedruckt 20.12.2025
Wehrplicht 2.0; Alexander Weinleins Beitrag „Männer müssen wieder zur Musterung“
in der Ausgabe Nr. 50-51 v. 6.12.2025, S. 5
Bundeswehr und
Wehrpflicht sind parlamentarisch und öffentlich Thema geworden und das ist gut
so. Trotz breiter Behandlung liegen allerdings einige Kernfragen weiter im
Nebel. Zum einen der Einsatzradius der neuen Wehrpflichtigen: Als eindeutig
galt bisher, dass Wehrpflichtige den Staat und seine Verbündeten mit ihrem
Leben zu verteidigen haben – aber eben nicht in Auslandseinsätzen. Genau das
war ja der Anlass, die Wehrpflicht in der Hochphase von „out-of-area“
auszusetzen. Wie aber wird es nun bei den zunächst ausnahmslos freiwilligen
Wehrpflichtigen stehen – just inside or out-of-area? In einer
weiter auf Ex- und Importe angewiesenen Volkswirtschaft wird man weiterhin auch
diese Einsatzform verlangen – und gerade keine gespaltene Truppe wollen.
Quellen etwa:
Eine hervorragend belegte Darstellung des Verhältnisses erweiterter Aufgaben
der Bundeswehr zur Wehrpflicht findet sich etwa in der Abhandlung von Markus Winkler
„Die Reichweite der allgemeinen Wehrpflicht“, NVwZ 1993, S. 1151-1157
Und ein paar
Sammlerstücke aus früheren Jahren:
Die Mutter aller
[meiner] Leserbriefe zur Außen- und Sicherheitspolitik:
29.9.1992
Kölner Stadt-Anzeiger; abgedruckt 2.10.1992
Militär; Absage der "V 2 - Gedenkfeier" in Peenemünde (Kölner
Stadt-Anzeiger. v. 29.9.1992)
Hätten wir am Deutschlandtag die Schöpfer der V
2 hochleben lassen, hätten wir auch die der Scud mitgefeiert. Die Scud ist wie die
Mehrzahl der heute weltweit ausgerichteten Trägersysteme legitimer Nachfahre
der V 2. Scud und V 2 sind brutale Massenvernichtungswaffen, die unter einem
verantwortungslosen Regime bewußt zum Schaden der Zivilbevölkerung eines
anderen Landes entwickelt und eingesetzt worden sind.
Demgegenüber ist der vorgebliche Kontext
ziviler (!) Raumfahrtforschung, der etwa den jungen Wernher von Braun
begeistert und geblendet haben mag, als Begründung eines V 2 - Festes geradezu
absurd. Die Forschung hat sich gegen diese Wirtschaftsidee im doppelten Sinne
auch ausdrücklich verwahrt.
Der Vorschlag war, wenn auch der count-down
schweren Herzens in letzter Sekunde abgebrochen wurde, bereits eine verheerende
Wunderwaffe gegen das Ansehen des neuen Deutschland im Ausland und unserer
Repräsentanten im Inland.
Und der am weitesten
gereiste Leserbrief:
22.08.1995
NIKKEI WEEKLY, JAPAN; abgedruckt 28.8.1995
Militärpolitik; Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki; THE NIKKEI WEEKLY of August
14, 1995
I refer to reports on
WW II and especially to two letters to
the editor printed in THE NIKKEI WEEKLY of August 14, 1995. It is my
impression that those two letters offer a unilateral and quite insulting
interpretation of the motives behind the drop of atomic bombs onto Hiroshima
and Nagasaki fifty years ago (e.g. N. Hale: "a merciful decision").
So, I would like to show an alternative view:
It is certainly true
that Japanese military leaders commenced the hostilities against the
The echoes of that
demonstration of power strongly outlived that event. We hear them over and over
again – from
Weitere
Leserbriefe
2025 / 2024 / 2023 / 2022 /
2021 /
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/ 2018 / 2017 / 2016 / 2015 / 2014 / 2013 / 2012 / 2011 / 2010
/
2009 / 2008 / 2007 / 2006 / 2005 / 2004 / 2003 / 2002 / 2001 / 2000 /
1999 / 1998 / 1997 / 1996 / 1995 / 1994 / 1993 / 1992
Oder auch ein paar Briefe für Englisch-sprachige Medien.
Gerne meine > 200
Leserbriefe, die zum Thema Außen- und Sicherheitspolitik,
Auslandseinsätze bzw. „out of area“ veröffentlicht
worden sind.
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